
Grenzwertig: Vancouver Island
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15. November 2023Welcome Back USA

Die vielen Bäume und die wenigen Menschen – die machen den Wald so schön.
12. Oktober 2023 - Reisetagebuch Eintrag #143
- WELCOME BACK USA | geschrieben von Magdalena
Regenwald
Wir betreten nun also nach gut acht Wochen wieder US-amerikanischen Boden. Dir Fährüberfahrt war ein wenig schaukelig, aber ich habe es ganz gut weggesteckt. Wir laden zuerst wieder unsere amerikanische Telefonkarte in einem T-Mobile Store auf (was natürlich wieder einmal nicht reibungslos klappt) und machen uns danach gemütlich auf den Weg in den Olympic Nationalpark. Das Wetter soll die nächsten Tage regnerisch bleiben. Das sind wir ja schon von Kanada gewöhnt. Nur etwas ist dieses Mal anders. Es macht mir zum ersten Mal nichts aus und ich glaube, zu dem, was wir die nächsten Tage vorhaben, passt es ganz gut. Denn was wäre ein Regenwald ohne Regen?
Da der Nachmittag inzwischen schon angebrochen ist, wollen wir nicht mehr allzu viel unternehmen. Wir haben uns die Wanderung zu den Maryme Falls rausgesucht und kommen gleich schon in den Geschmack eines echten Regenwaldes. Wow, uns fehlen die Worte. Das ist nochmal ein ganz anderer Wald als wie wir ihn sonst kennen. Die Bäume sind mit Moos überzogen, teilweise schauen sie wie Teddybären aus. Alles wirkt sehr mystisch, der Regen kommt kaum durch die dicke Baumdecke durch und es stört uns auch nicht wirklich, dass wir seit langem wieder mal in kompletter Regenmontur wandern gehen. Zu diesem Ort passt es einfach.
Dunkel ist es ohnehin schon fast den ganzen Nachmittag, aber so langsam bricht der Abend an. Wir haben noch eine gute Stunde Fahrt vor uns, bis wir beim Schlafplatz ankommen. Seit langem können wir mal wieder auf einem kostenlosen Dispersed Campground stehen. Das haben wir in Kanada, ehrlich gesagt, ein wenig vermisst. Der Boden auf dem Stellplatz ist ungerade und der Dauerregen hat dem Untergrund ein wenig zugesetzt. Es nützt nichts. Wir brauchen unsere Stützen, wenn wir nicht ganz schräg hier übernachten wollen. Keine 10 Minuten später höre ich Rene fluchen und nehme Hammergeräusche wahr. Die neue, nicht wirklich funktionierende Stütze steckt fest und lässt sich nicht mehr einfahren. Na ganz toll, wieder was kaputt. Für heute macht es keinen Sinn mehr da noch was zu reparieren, es schüttet wie aus Eimern und Rene sieht eh schon aus wie ein kleiner Dreckspatz. Wir machen uns noch was zum Abendessen und können wieder mal nur den Kopf schütteln. Super Qualität, was die da in den Wohnmobilen verbauen.
Lachswanderung
Irgendwie bekommt es Rene am Morgen hin, dass die Stütze wenigstens halb eingefahren ist und wir können unseren Schlafplatz verlassen. Wir fahren zu den Sol Duc Falls. Dank des Regens kommt auch einiges an Wasser runter und auch diese Wanderung ist wieder wunderschön und nicht allzu anstrengend. Das einzige, an das wir uns irgendwie nicht gewöhnen ist, dass diese Wälder sehr, sehr dunkel sind.
Bei der Anfahrt zu den Sol Duc Falls haben wir ein Schild an der Strasse entdeckt, mit der Aufschrift – Salmon Cascades. Das wollen wir uns jetzt etwas genauer ansehen. Rene ist etwas müde vom Laufen und schickt mich mal vor. Ihr hättet mal sein Gesicht sehen sollen, als ich keine 20 Sekunden später wie blöde zurückrenne und ihm ganz aufgewühlt mitteile, dass da Fische springen. Er packt seine Kamera ein und wir machen uns auf zum Fluss. Wir haben Glück und die Lachswanderung ist gerade voll im Gange. Die Fische versuchen verzweifelt, die Strömung hinaufzuschwimmen und die Kaskaden zu überqueren. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Sie versuchen es immer wieder, geben nicht auf und einige wenige schaffen es sogar in der Zeit, in der wir zusehen. Ich kann fast nicht hinsehen. Mir tun diese Fische unendlich leid, wie sie immer wieder gegen die Steine knallen. Ich würde sie am liebsten alle fangen und oben am Fluss wieder aussetzten. Aber so ist halt die Natur, es ist nicht immer alles schön. Ab und zu kann sie hart und grausam sein.
Ich muss das erstmal verdauen. Irgendwie ist mir der Spass gerade vergangen. Ich bin zwar froh und dankbar, dass wir gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, um dieses Naturschauspiel gesehen zu haben, aber es hat für mich einfach etwas Grausames an sich gehabt – obwohl es der Lauf der Natur ist. Wir fahren nun weiter nach Forks, das ist so ziemlich eine der grössten Städte im Olympic Nationalpark. Als Stadt würde ich dieses rund 3.000 Seelen Dorf jetzt nicht wirklich bezeichnen. Aber immerhin gibt es hier ein Visitor Center und ein Museum über die Vampir-Saga «Twilight». Wer die Filme gesehen hat, dem ist der Name vielleicht schon bekannt vorgekommen. Bella, die Hauptdarstellerin, zieht vom sonnigen Phoenix in Arizona zu ihrem Vater Charlie ins verregnete Forks an der Küste von Washington, damit ihre Mutter Renée mehr Zeit für sich und ihren neuen Ehemann Phil hat.
Ich kenne alle Teile der Twilight Saga und freu mich natürlich riesig, als ich erfahre, dass der Original-Film-Truck von Bella beim Visitor Center steht. Die nette Dame im Besucherzentrum gibt uns noch einige Tipps und Kartenmaterial und dann verlassen wir auch schon wieder die regenreichste Stadt der Vereinigten Staaten, wo es laut den Filmen Vampire und Werwölfe gibt. Wir sind Gott sei Dank keinem dieser Wesen begegnet.
Hoh Rainforest
Als nächstes steht die Hall of Mosses Wanderung und der Spruce Nature Trail auf dem Programm. Diese Wanderungen inmitten des Hoh Rainforest sollte man, laut Dame vom Visitor Center, früh morgens oder am späteren Nachmittag machen. Da diese sehr beliebt sind, kann es hier gerne auch zu Strassensperrungen wegen Überlastung kommen. Wir haben kurz nach drei, die Strasse ist offen und wir bekommen ohne Probleme einen RV-Parkplatz. Nachdem wir beide Wanderungen gemacht haben, wird uns klar, warum diese so beliebt sind. Man ist mitten im Regenwald, umgeben von meterhohen, riesigen und uralten Bäumen. Kein Ende der Riesenbäume ist zu erkennen und man kommt sich vor, als wäre man in einer anderen Welt gelandet. Der Boden ist überwuchert von riesigen Farnen, ein Fluss schlängelt sich durch die Bäume, der Regen tropft von den moosbedeckten Ästen. Ein unglaublich grossartiges Erlebnis und wieder eine wunderschöne Wanderung, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Für den nächsten Tag wollen wir die Wälder mal etwas hinter uns lassen und fahren an die Pazifikküste. Hier soll es einen Felsen geben, der aussieht wie ein Gorilla und ein Baum der kurz vor dem Absturz ist. Das Wetter meint es heute gut mit uns. Wir fahren zum Ruby Beach und finden den Gorilla Felsen, kurz bevor die Flut ihn verschlingt.
Nicht weit entfernt ist der Kalaloch Beach. Hier befindet sich der Tree of Life. Die Fichte hängt nur noch an ihren Wurzeln zwischen dem ausgespülten Abgrund. Niemand weiss, wie lange der Baum dem rauen Wetter und den Stürmen noch standhalten wird. Es kann jeden Tag passieren, dass er abstürzt und somit sterben wird. Den restlichen Nachmittag verbringen wir direkt am Highway 101. Wir suchen uns einen Pull Out und stellen unsere Stühle vor Ollie. Wir geniessen die Sonnenstrahlen, hören dem Rauschen des Meeres zu und freuen uns, an so wunderbaren Orten sein zu können.
Dunkelwald
Am nächsten Morgen verlassen wir den Olympic Nationalpark und fahren ein ganzes Stück weiter. Wir haben uns einen Dispersed Campground rausgesucht. Bevor wir diesen ansteuern, müssen wir jedoch noch unsere Wasservorräte auffüllen. Eine Wasserstelle liegt nicht weit vom Weg entfernt und wir beschliessen diese aufzusuchen. Als wir die Station erreichen schauen wir ziemlich blöd aus der Wäsche, denn die ist wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Zu unserem Glück gibt es 10 Kilometer weiter eine andere Wasserstelle. Wir folgen den Koordinaten und landen beim Hintereingang einer Poststelle. Was sollen wir jetzt machen, wir können nicht einfach unseren Schlauch an den privaten Hahn anschliessen? Rene will schon wieder wegfahren, aber ich kann ihn davon überzeugen nachzufragen. Ich weiss, dass sein Charme immer gut ankommt bei den Frauen. Nach einer kurzen Überredungsphase beschliesst Rene im Postamt nachzufragen. Mit einem breiten Grinsen kommt er eine Minute später zurück und verkündet voller Stolz, dass es absolut kein Problem ist und wir unseren Tank füllen dürfen.
Vollgetankt fahren wir weiter und landen kurze Zeit später auf einer schmalen und steilen, nicht enden wollenden Schotterstrasse. Was hat uns Rene da bitte für einen Platz rausgesucht? Ich sterbe wieder mal tausend Tode und bin heilfroh, als wir 40 Minuten später auf dem Platz ankommen. Der Platz ist eigentlich wunderschön, aber nicht wirklich das, was wir im Moment brauchen. Wir sind mitten im Wald und es ist einfach nur dunkel. Wir sehen durch die Baumkronen den blauen Himmel, jedoch viel Tageslicht kommt durch die dichten Äste nicht hindurch. Irgendwie zieht uns dieser Platz runter. Wir wollten hier eigentlich ein paar Tage stehen und endlich mal wieder an unseren Berichten arbeiten, aber hier in der Dunkelheit fühlen wir uns ehrlich gesagt nicht wohl. Wir beschliessen, nur eine Nacht zu bleiben und wollen am nächsten Morgen weiterfahren.
Nach einer sehr ruhigen und dunklen Nacht starten wir los Richtung Oregon. Uns trennt nur noch die 6,6 km lange Astoria-Megler Bridge vom nächsten Bundesstaat. Da Oregon keine Mehrwertsteuer hat, nutzen wir das gleich, um unseren Benzintank und Gastank zu füllen. Vollgetankt fahren wir zum Wreck ot the Peter Iredale. Wir können Ollie direkt am Strand parken und sehen das ehemals viermastige Stahlschiff, das im Jahre 1906 auf Grund lief, sofort. Es ist heute eines der am besten zugänglichen Schiffswracks an der Westküste. Bei Ebbe sind die Überreste des Schiffs am besten zu sehen. Irgendwie funktioniert das mit unserem Timing bei Ebbe und Flut noch nicht so wirklich. Schön ist es trotzdem anzusehen, auch wenn wir nur einen kleinen Teil davon sehen.
Wir beschliessen, noch ein Stück weiter an der Küste zu fahren und landen schlussendlich im Kleinstadtdorf Cannon Beach. Hier finden wir einen grossen Parkplatz, um Ollie sicher abzustellen. Wir schnappen uns unsere Klappstühle und platzieren uns mit einem Kaffee und lecker Cookies inmitten des – dank einsetzender Ebbe - immer breiter werdenden Sandstrandes. Wir geniessen die wenigen Sonnenstrahlen, die sich durch die Wolkendecke durchkämpfen und sind ehrlich gesagt ein bisschen froh, wieder offenen Himmel über uns zu haben. Der Regenwald im Olympic Nationalpark war wunderschön und wir sind glücklich, ein so fantastisches Naturwunder sehen und erkunden zu können, jedoch war es immer sehr dunkel. Nach ein paar Tagen haben wir einfach gespürt, dass wir wieder Licht brauchen.
Darum geniessen wir es jetzt gerade umso mehr, am Strand sein zu können, dem Meeresrauschen zuzuhören und ausnahmsweise mal von keinen Bäumen umzingelt zu sein. Cannon Beach ist nicht nur wegen seines wunderschönen Strandes bekannt. Cannon Beach ist als eine der besten Kunststädte im Nordwesten bekannt und verfügt über zahlreiche Kunstgalerien, Fachgeschäfte, Cafés und gehobene Restaurants.
Wer uns kennt weiss, dass wir nicht darum hierhergefahren sind. Nein, wir sind wegen dem Haystack Rock gekommen. Es handelt sich hierbei um eine hoch aufragende Felsformation vor der Küste, mit lebhaften Gezeitentümpeln und Schwärmen von Seevögeln, die das Wahrzeichen schmücken und als Brut- und Nistplatz nutzen. Haystack Rock zählt zu den grössten Küstenmonolithen der Erde und da inzwischen Ebbe ist, wollen wir uns den “Heuhaufen” mal etwas genauer anschauen.
Nachtwache
Kurz vor Sonnenuntergang beschliessen wir zu unserem Schlafplatz zu fahren. An der Küste Oregons ist es nicht mehr so einfach, einen Dispersed Campground zu finden, die Stadt greift hier ziemlich hart durch, was das Wildcampen betrifft. Die nahegelegenen Campingplätze haben schon sehr gehobene Preise. Unter 70-100 Dollar finden wir keinen an der Küste. Als wir an dem vermeintlichen gratis Schlafplatz ankommen, verfluchen wir die App „iOverlander„ wieder einmal. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem ausgesuchten Platz nicht um einen Parkplatz handelt. Hier haben die Leute einfach nur einen Pull out (Haltebucht für Notfälle) direkt am Highway eingetragen, bei dem auch noch ein fettes „No Overnight“ Schild steht. Wunderbar, es wird schon dunkel und wir haben keine Ahnung, wo wir heute übernachten sollen. Grossartig und vielen Dank ihr Vollpfosten fürs Eintragen solcher Plätze.
Wir fahren weiter in das nächste Dörfchen Nehalem, dort stellen wir uns auf den einen öffentlichen Parkplatz und hoffen, dass uns die Polizei nicht wegschickt. Ihr könnt euch vorstellen, wie gut ich geschlafen habe, die halbe Nacht war ich wach und bei jedem Motorengeräusch, habe ich bei Fenster rausgeschaut. Müde verlassen wir den Platz um 06:00 Uhr morgens und sind dankbar, dass man uns nicht weggeschickt hat. So eine Nacht will ich nicht nochmal erleben. Wir lieben es frei zu stehen, aber wenn es nicht erlaubt ist, dann akzeptieren wir das auch. Deshalb buchen wir uns für die nächsten zwei Tage in einen nahegelegenen State Park ein.
Den Tag verbringen wir nochmals am/in Cannon Beach und fahren dann gegen 16:00 Uhr auf unseren Stellplatz im Nehalem Bay State Park. Hier dürfen wir für 40 Dollar pro Tag, (8 Dollar Reservierungsgebühr kommen noch dazu) nun legal stehen und müssen keine Angst haben, mitten in der Nacht von der Polizei weggeschickt zu werden. Wir laufen vor dem Sonnenuntergang noch über die Dünen zum Strand runter. Als wir zurück zu Ollie kommen, hören wir ein lautes, penetrantes Piep Geräusch, ob das wohl aus unserem Wohnmobil kommt?
Der Ursprung des Geräusches ist gleich gefunden. Unser Monoxid-Warner ist abgegangen. Komisch, der Motor läuft nicht, wir stehen mitten in der Natur. Ob es wohl ein Fehlalarm war? Wir drücken die Reset-Taste und lesen nach, was die Ursache sein könnte. Also, entweder haben wir Monoxid im Wohnraum oder, und das ist höchstwahrscheinlich die Ursache, hat unser Monoxid-Warner sein Lebensende erreicht. Echt jetzt, die Dinger haben ein Ablaufdatum?
Am nächsten Tag regnet es ohne Pause. Wir drehen die Markise raus, um wenigstens ein bisschen an der frischen Luft sein zu können, ohne klatschnass zu werden. Rene besteht darauf, abends ein BBQ zu machen. Immer, wenn wir an einem Campingplatz sind, will er grillen. Da hält ihn auch das Regenwetter nicht davon ab. Einen Tag später, als wir das Wohnmobil wieder abfahrbereit machen, fällt mir auf, dass wir Wasser in der Dusche haben. Was eigentlich nichts Ungewöhnliches wäre, wenn man darin geduscht hätte. Aber wir haben gestern nicht unsere Dusche benutzt, sondern die vom State Park. Ich folge den Wasserspuren und sehe beim Fenster oberhalb der Dusche, Wassertropfen herunterkommen.
Unsere Mängelliste bei Ollie will nicht enden. Langsam ist sie echt schon lang. Gut, dass wir heute Richtung Salem zu unseren Bekannten Steve und Linda fahren. Hier können wir hoffentlich alles reparieren oder austauschen, was die letzten Wochen so kaputtgegangen ist.
Liebe Grüsse
Reiseroute
26. – 29. Sep. 2023Olympic NP
US30. Sep. – 03. Okt. 2023 Nehalem
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