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Das Herz des Menschen ist sehr ähnlich wie das Meer, es hat Stürme, es hat seine Gezeiten und in seinen Tiefen hat es auch seine Perlen.
14. Juni 2021
- VALENCIA - PERLE AM MITTELMEER | geschrieben von Rene
Valencia
Von Morella aus starten wir zu unserem nächsten grossen Ziel: Valencia. Eine Stadt, von der man schon so viel gehört hat, die es aber neben den wohl noch viel bekannteren Städten Barcelona, Madrid oder Sevilla zu Unrecht seltener auf die Besuchsliste der Touristen schafft. Um die Strecke aber nicht ohne Pause durchfahren zu müssen, machen wir Halt in Castellon, genauer gesagt in Grao de Castellon. Es ist noch nicht allzu spät, und so packen wir an unserem Parkplatz unsere neuen Fahrräder aus und fahren an der Promenade den schönen Sandstrand an den Kitesurfern und hartgesottenen Badegästen vorbei, bis wir ein gemütliches Restaurant für unser Abendessen finden und den Tag ausklingen lassen.Nun steht aber endlich Valencia auf dem Plan. Eine Stadt, über die ich wenig weiss, aber auf die ich mich sehr freue. Keine Ahnung warum. Stell- oder Campingplätze sind in grösseren Städten eher selten – und so müssen wir uns für einen Platz ausserhalb von Valencia entscheiden. Die Auswahl ist nicht riesig, aber die Entscheidung war die Richtige: wir werden uns für die nächsten Tage im «Camper Park Valencia», etwa 13 Kilometer ausserhalb der Stadt, niederlassen. Doch zunächst habe ich eine glorreiche Idee: Damit wir nicht zum Stellplatz fahren, um dann mit der Metro in die Stadt und am Abend wieder zurück zum Stellplatz düsen zu müssen, parken wir doch einfach gleich im Zentrum und gehen von dort an zu Fuss oder mit unseren Fahrrädern, und fahren erst am Abend zum Stellplatz. Logisch. Nachdem ich meinen ersten 6spurigen Kreisverkehr gemeistert habe, rollen wir langsam zum ausgewählten Parkplatz unweit des Hafens von Valencia – der angeblich auch nichts kostet.
Schon bei der Einfahrt kommt ein tätowierter Gorilla auf uns zu. Ich mach die Scheibe runter und quatsch ihn gleich mal mit meinen Spanischkenntnissen an: «qué pasa?» Dann versucht uns der nette Herr klarzumachen, dass er und sein Bruder hier auf dem Platz das Sagen haben. Aber für schlappe 20 EUR sorgt er dafür, dass unserem Auto nix passiert. Ja klar. Schutzgeld. Ich diskutiere mit ihm und mach ihm jetzt klar, dass er von mir aus 5 EUR haben kann. Auch wenn es nicht rechtens ist, mir ist das lieber als dann irgendwelche Kratzer oder gar ein aufgebrochenes Wohnmobil zu haben. Er geht darauf ein und weist uns einen Platz zum Parken zu. Dann machen wir uns reisefertig, ziehen uns um und richten unsere Sachen. Keine 3 Minuten später kommt der Affe wieder, klopft an die Scheibe und sagt, er will jetzt sofort seine Kohle haben – er muss ja schliesslich auch arbeiten. Ja klar. Arbeiten. Das macht mich jetzt echt sauer und ich hab keinen Bock mehr auf die Schutzgeldkacke. Kurzerhand setzen wir uns wieder auf die Fahrersitze und fahren einfach los. Im Aussenspiegel sehe ich den Deppen, wie er uns hinterherfuchtelt und wirre Gesten macht. Ich dachte, er muss so dringend arbeiten und frage mich, warum er für sowas Zeit hat. Egal, wir ignorieren ihn und fahren einfach weg. Wir entscheiden uns, doch gleich an den Stellplatz zu fahren, da sind wir und unser Hab und Gut besser aufgehoben. Wie oben schon erwähnt war es die richtige Entscheidung: der Platzbetreiber ist ein supernetter Mann, der uns geduldig alles erklärt und wertvolle Tipps für Valencia auf Lager hat. Er stellt uns sogar die beste Route zusammen, die wir in Kombination mit U-Bahn und Fahrrad durch die Stadt machen können. Besser geht’s nicht!
Noch am gleichen Tag machen wir uns auf den Weg mit unseren Bikes. Wir fahren mit der U-Bahn bis zum Hafen, und steigen fast direkt an dem Parkplatz aus, an dem wir gute zwei Stunden davor mit unserem Wohnmobil hingefahren sind und fast geparkt hätten. Ich hätte irgendwie stark Lust, einen Sprung bei der Parkplatzmafia vorbeizuschauen und zu fragen was es Neues gibt. Aber ich entscheide mich dann doch dagegen, weil ich nicht weiss, wie schnell ich mit dem Fahrrad da wegkomme und wie schnell der Pavian rennen kann. Wir stellen sehr schnell fest, dass Valencia extrem fahrradfreundlich ist! Mehr oder weniger zieht sich der rote Fahrradstreifen quer durch die Stadt, durch die schönen Gassen und belebten Strassen. Man kommt immer sicher voran und muss eigentlich nur Gelegentlich aufpassen, wenn Fussgänger sich auf den Fahrradstreifen verirren. Das hat bei uns auf jeden Fall aber auch einen Lerneffekt – denn seit wir selbst mit dem Fahrrad unterwegs sind, achten wir darauf nicht auf gekennzeichneten Radwegen zu laufen. Es macht richtig Spass, als wir den Dreh raushaben. Google Maps schickt uns zwar noch ein paar Extrarunden, aber trotzdem sehen und erreichen wir alles, was wir erreichen wollen. Die Hafenanlage ist riesig, die Strandpromenade so wie es sich für eine südspanische Stadt gehört: schöner Sandstrand und Bars bis zum Abwinken. Für die haben wir aber noch keine Zeit. Zufällig fahren wir an der alten Rennstrecke – dem Valencia Street Circuit - vorbei, von dem wir nur ein paar Teilabschnitte sehen. Der ehemalige Stadtkurs war von 2008 bis 2012 Austragungsort der Formel 1 – da sich dann aber Barcelona und Valencia in die Haare gekommen sind und Barcelona das vertragliche Vorrecht in Anspruch nahm, war die Formel 1 in Valencia dann bald Geschichte. Trotzdem wurde die Strecke noch einige Zeit für die MotoGP und etwas kleinere Events verwendet. Nun hausen entlang der übrig gebliebenen Streckenabschnitte wohl ein paar Obdachlose in ihren Zelten und provisorischen Verschlägen.
Wir fahren weiter und erreichen kurze Zeit später die Stadt der Künste und der Wissenschaften (Ciudad de las Artes y las Ciencias). Was für ein Szenenwechsel! Die gesamte Anlage ist in einem Park aufgebaut, und die futuristischen Gebäude versetzen uns zur Abwechslung mal nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. Die aussergewöhnlichen Gebäude der Museen für Kunst und Wissenschaft muten in ihrem Baustil an wie Bauwerke aus einem Science-Fiction Film und einer Stadt in der fernen Zukunft. Es fühlt sich ein bisschen an wie das «Kapitol» - die Hauptstadt aus den Tributen von Panem. Tatsächlich war es auch schon Drehort. So wurde beispielsweise eine komplette Folge von «Doctor Who» hier gedreht, sowie einige Abschnitte von «Tomorrowland – A World Beyond», ein Film aus dem Jahr 2015. Es ist wirklich faszinierend, man fühlt sich zeitversetzt und sucht vergeblich nach fliegenden Autos und Menschen mit komischen Frisuren. Na ja, zumindest fliegende Autos haben wir keine entdeckt.
Die Fahrt mit den Fahrrädern durch den Park, der sich durch die komplette Innenstadt von Valencia zieht, ist wirklich ein Highlight. Die wunderschön angelegten Grünflächen, durchzogen mit Seen, Bäumen und blumenverzierten Geh- und Radwegen ist traumhaft schön. Wir bleiben alle paar Meter stehen und bestaunen Statuen, alte Bauwerke und Brunnen oder einfach nur das phantastische Panorama, das sich hier bietet. Die Metro, die uns am Abend nach Hause bringt, macht einen kleinen, ungewollten Abstecher nach Bétera. Aber nur, weil ich meiner Frau wieder mal nichts glaube. OK, der Reihe nach: irgendwo und irgendwie hat meine Frau gelesen und gehört, dass die Metro nicht an allen Haltestellen stehen bleibt. Angeblich muss man einen Knopf drücken – wie im Bus – damit die U-Bahn stehen bleibt. Das kann ich einfach nicht glauben, und die Statistik gibt mir recht: die Bahn bleibt an JEDER Haltestelle stehen, die auf dem Plan zu finden ist. Das bestärkt mich natürlich im Glauben, dass das mit der Knopfdrückerei Unfug ist. Na ja, was soll ich sagen … an unserer Haltestelle bleibt er NICHT stehen – weil niemand den blöden Knopf gedrückt hat. Die Allereinzige! Und so rauscht er frisch-fröhlich durch unseren Bahnhof und wir schauen dem Campingplatz hinterher. Die nächste Haltestelle ist dann auch schon die Endstation. Wieder mal super gelaufen. Wir sind fix und fertig und überlegen uns jetzt, die 4 Kilometer mit dem Fahrrad zurück zu fahren. Aber – obwohl ich eh schon verkackt habe – setze ich mich ein letztes Mal durch und bestehe darauf, dass der Zug gleich wieder in die andere Richtung zurückfährt. Gut – zumindest hatte ich dieses Mal recht und nach einer Wartezeit von etwa 20 Minuten geht’s dann wieder zurück zu unserer Haltestelle. Ich glaube der Zugführer war richtig genervt, weil ich jetzt etwa 10-mal hintereinander den bescheuerten Knopf drücke, damit er nicht wieder durch unsere Haltestelle rauscht. Diesmal klappt es dann auch und wir erreichen nach einem anstrengenden Tag unser mobiles Zuhause.
Malaga, im Juni 2021
Liebe Grüsse
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Rene
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