
Fehlstart
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Diebe – Dinos und die Rockys
23. Juli 2023The Texas Horror Picture Show

Wenn es holprig wird, steigt man nicht aus. Man schnallt sich an.
09. Juli 2023 - Reisetagebuch Eintrag #130
- THE TEXAS HORROR PICTURE SHOW | geschrieben von Rene
Platzwechsel
Wir sind gelinde gesagt «stinksauer». Am Campingplatz, an dem wir stehen, gelten die mit Abstand seltsamsten Regeln, die wir seit Beginn unserer Camperreise erlebt haben. Wir dürfen hier nicht länger bleiben und müssen für die kommenden 3 Tage umziehen. Aber nicht etwa, weil kein Platz mehr frei ist – nein, viel mehr, weil wir unser 14-Tages-Pensum überschritten haben. Man darf hier nur 14 Tage im Monat stehen, länger nicht. Echt – so einen Blödsinn haben wir noch nie gehört. Wir lassen es uns nicht nehmen, ein letztes Mal am Lake Lewisville unseren Kaffee und unser Frühstück zu geniessen. Ein freches Eichhörnchen schaut vorbei, hat überhaupt keine Scheu und klaut mir fast das Müsli aus der Schüssel. Wenigstens das Frühstück war entspannt. Wir gehen zurück zu Ollie. Kopfschüttelnd packen wir unsere Sachen zusammen. Ich fluche in mich hinein und hab Gedanken, die ich hier nicht hinschreiben darf. Gut, wir weichen also und hinterlassen einen nahezu leeren Campingplatz.
Unsere Fahrt führt uns nach Hickory Creek. Dort können wir die verbleibenden 3 Tage bleiben, bis endlich unser lang ersehnter Werkstatttermin ansteht. Der Campingplatz in Hickory Creek ist zwar sehr schön, kostet aber auch einiges mehr: 30 US-Dollar sind hier pro Nacht fällig. Dafür haben wir Strom und Wasser. Und beides brauchen wir wirklich: Die Sonne knallt unbarmherzig vom Himmel, so etwas haben wir noch nie erlebt. Temperaturen um die 43 Grad, von früh bis spät. Und nachts, wenn man Glück hat, «Abkühlung» auf 35 Grad. Das ist Folter. Ohne Klimaanlage würden wir wahrscheinlich die Gallonen an Wasser, die wir in uns hineinschütten, postwendend wieder rausschwitzen. Man hält es lediglich morgens bis etwa 8 Uhr aus, draussen zu sein – danach hilft nicht mal mehr der Schatten, den es hier ohnehin nicht gibt.
Wir sind also gezwungen, unseren Aufenthalt mehr oder weniger in Camper auszusitzen. Die Campsite liegt zwar am Lake Lewisville, aber kein Mensch ist draussen oder im Wasser. Es ist sogar zu heiss zum Baden. Abends machen wir dann doch noch einmal einen kleinen Spaziergang zu den Sanitäranlagen. Die waren bisher wirklich sehr, sehr enttäuschend. Auf keinem der europäischen Campingplätze, auf denen wir bisher waren, wären die Anlagen überhaupt als «akzeptabel» durchgegangen. Nein, alle wären mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Ungenügend. Es sind alles 60er-Jahre Bunker, mit durchwegs kaputten Armaturen, Spiegel, die eigentlich nur Aluminiumplatten sind, alles staubig, voller Spinnweben und natürlich allerlei Kriechtiere, lebend und tot. Jede – ich wiederhole: JEDE dieser Anlagen würde in Europa mehr als vernichtend kritisiert und als Zumutung abgestempelt werden. Doch hier in Hickory Creek schauen die Sanitärhäuschen wirklich sehr schnuckelig aus. Von aussen zumindest wirken sie wie ein hübsches Landhaus, das irgendwo in Irland auf einem Hügel stehen könnte. Da freuen wir uns richtig drauf und spazieren hoffnungsvoll hinein, bis uns wieder einmal der Schlag trifft. Wir wissen nun, wo die Filmreihe «Saw» gedreht wurde. Es fehlen nur die Blutlachen am Boden und die Folterwerkzeuge am Seziertisch, und die Horrorszenerie wäre perfekt. Sollen wir ein Spiel spielen? Wirklich schauderhaft. Wann genau ist die Zeit hier stehengeblieben?
Buc-ee’s
Es ist endlich Dienstag. Wir haben ungefähr 1 Stunde bis zur Werkstatt. Am Vorabend bekomme ich noch ein E-Mail, dass wir nicht um 09:00 Uhr da sein sollen, sondern erst um 10:00 Uhr, da der Mechaniker noch einen anderen Auftrag hat. Ja klar – wir sind ja nicht wichtig und wir möchten nicht endlich losstarten in unser Abendteuer. Aber was nützt es – herumdiskutieren über E-Mail hat eh keinen Zweck. Dafür planen wir dann eben einen kleinen Zwischenstopp an einer texanischen «Must-See»-Location ein: Buc-ee’s. Kein Mensch kann eigentlich richtig erklären, worum es sich dabei genau handelt. Es ist einfach ein texanisches Original, das man gesehen haben muss. Grob erklärt, handelt es sich um eine Tankstelle. Aber nicht eine mit 4 oder 6 Zapfsäulen, so wie wir das kennen, sondern mit 120! 120!!! Oder sogar noch mehr, je nach Station.
Es ist der Benzinhimmel auf Erden. Was hier an einer einzelnen Tankstelle an Sprit gelagert ist, würde vermutlich für ganz Mitteleuropa ein paar Monate ausreichen. Die Auswahl fällt schwer, als wir das Gelände befahren, denn so eine Anzahl an Zapfsäulen haben wir in unserem Leben noch nie gesehen. Doch nicht nur das, auch der Shop hat einiges zu bieten. Nachdem wir Ollie befüllt haben, parken wir. Wir haben noch etwas Zeit und können Buc-ee’s auch von innen anschauen. Es ist für einen nicht-Amerikaner schwer zu begreifen, aber der Laden verfolgt absolut kein logisches Konzept. Hier ist alles wild durcheinandergewürfelt. Taco-Stände, Burger-und-Fritten-Buden, Junk-Food, Lederhosen, Süssigkeiten, Westernhüte, T-Shirts und Pullover, Merchandise-Produkte, Souvenirs. Komplett sinnlos. Das Highlight: die Toiletten: die sind sowas von typisch amerikanisch – ein wahrer Klotraum. Leider haben wir nur ein paar Minuten, um uns in diesem wirren Angebot an Waren und Fastfood in der mindestens 3.000 m2 grossen Buc-ee’s Halle einen Überblick zu verschaffen. Ich muss lachen und den Kopf schütteln. Das versteht kein Mensch. Zumindest wir nicht.
Werkstattgespräche
Wir müssen uns nun sogar beeilen, damit wir um 10:00 Uhr in Whitesboro sind, um endlich das lang ersehnte Ersatzteil für unseren Ollie in Empfang zu nehmen und verbauen zu lassen. Es geht um die «Leveling Jacks», oder zu gut Deutsch, die elektrischen Hubstützen, die das Fahrzeug automatisch ausnivellieren sollten. Einer der Stützen wollte ja nach dem Ausfahren partout nicht mehr ganz einfahren. Die Lösung soll nun eine ganz neue Stütze bringen – frisch aus der Produktion vom Werk. Auf die haben wir jetzt satte 14 Tage gewartet. Wir schaffen es pünktlich um 10:00 Uhr, aber als wir in den Verkaufsraum kommen, nimmt erstmal überhaupt niemand Notiz von uns. Wir sind sowas von Luft, überheblicher geht es nicht mehr. Nach einigen Minuten warten wird uns dann gnadenhalber mitgeteilt, dass es noch ein paar Minuten geht, bis sie anfangen können. Na gut, wie auch immer – die Geduld bringen wir auch noch auf. Dann geht es los und wir sind dazu verdonnert, zu warten und schlagen die Zeit mit Facebook und Instagram tot. Totlangweilig.
Um 14:00 Uhr ist es dann endlich so weit: Der Mechaniker kommt rein und erklärt feierlich, dass jetzt alles funktioniert. Super – wir können es nicht glauben und nicht erwarten. Natürlich wollen wir das gleich testen. Wir gehen in die Werkstatt, er lässt die Stützen runter, sie fahren aus und richten das Fahrzeug mehr oder weniger gerade aus. Okay, soweit, so gut, das hat vorher schon funktioniert. Jetzt wird es spannend: geht die «kranke» Stütze, die getauscht wurde, auch wieder zurück? Natürlich nicht. Die Alten fahren ein, die neue bleibt gut 15 Zentimeter draussen und klappt nicht automatisch ein. Netter Versuch. Vielleicht dachten sie, wir testen es nicht und fahren einfach so weiter. Wieder zurück auf LOS: wir im versifften Verkaufsraum, der nach Katzenpisse riecht, und der Mechaniker wieder ans Werk.
Um 16:00 Uhr bemerke ich ein Getuschel hinter uns. Das bedeutet ja meistens nichts Gutes. Plötzlich bauen sich die Verkäuferin, ein kleines Männlein so um die 70 und der Mechaniker vor uns auf. Das Männlein stellt sich förmlich bei mir vor, und ich gebe das obligatorische «Nice to meet you» zurück. Dann beginnt eine Erklärung, die ich in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen werde und die lachhafter nicht sein könnte: «Es ist …» so erzählt mir der graue Zwerg «…normal, dass eine der Stützen nicht einfährt.» Das sei angeblich bereits von Werk aus so programmiert und entspricht dem, was in der Gebrauchsanleitung drinnen steht (die er uns natürlich leider nicht zeigen kann). Betretenes Schweigen im Raum. Erst denke ich, er macht einen Scherz, ich schau ihn belustigt und irgendwie perplex an und sage erstmal «Aha…?». Ich hoffe, er löst gleich mal auf, dass die versteckte Kamera hinter der Türe wartet. Tut er aber nicht. Er meint das ernst. Als keiner mehr was sagt, frage ich nochmals ungläubig nach, ob er uns tatsächlich gerade erklären will, es sei «Normal», dass DREI der Stützen hochfahren und EINE der Stützen am Boden stehen bleibt. Er bestätigt das und unterstreicht es mit der feierlichen Feststellung, dass er seit 30 Jahren ein «Motorhome» fährt und schliesslich weiss, wovon er redet. Ungläubig schau ich Magdalena an, sie schaut mich genauso entgeistert an. Glauben die tatsächlich, sie haben komplette Vollidioten vor sich stehen? Oder meinen sie, weil wir aus Europa kommen, sind wir von Natur aus dämlich?
Die Diskussionen schaukeln sich zu einer hitzigen Debatte hoch. Ich merke, wie sich mein Puls beschleunigt und sich meine Adern aus dem Hals hervordrücken. Mir wird warm. Ich muss zweimal Luft holen und kann immer noch nicht glauben, in was für einer Situation wir uns gerade befinden. Ich versuche förmlich und sachlich zu bleiben, und dem Dunning-Kruger-Patient nicht mit Anlauf und ausgestreckter Faust ins Gesicht zu springen. Magdalena geht es ebenso und ich muss aufpassen, dass sie nicht explodiert und alle bis aufs Letzte beschimpft. Ich frage nach, was das für einen Sinn ergibt. Er meint dann, das weiss er leider auch nicht, aber es sei eben ein amerikanisches Fabrikat, das funktioniert ein bisschen anders und es ist halt normal, dass die drei Stützen sich so verhalten, wie man es erwartet und eine nicht. Ausserdem sei das ein Computer, der entscheidet selbstständig, wann und wo er welche Stütze ausfährt und wieder einfährt. Und der Computer muss wohl recht haben, wenn er immer die gleiche Stütze nicht einfährt. Der Vogel soll mir nichts über Computer erzählen. Die Diskussionen dauern an und sie merken, dass sie uns nicht so schnell loswerden. Meine Wut paart sich schön langsam mit Mordlust. Ich möchte aber wegen einer Hubstütze nicht ins Gefängnis. Egal, welche Argumente ich vorbringe und diese komplett sinnbefreite Theorie widerlege, es gibt von ihrer Seite immer die Gegenantwort «das ist halt normal». Ich erkläre ihm, dass sie das Problem nicht lösen, sondern einfach wegdiskutieren und frage nach, ob das die amerikanische Art einer Reparatur sei, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Das schmeckt ihm jetzt nicht so gut. Ich sage, ich will in die Werkstatt raus, um ihnen eine Situation zu zeigen, von der er mir dann erklären soll, wie er es lösen würde.
Wir gehen raus. 6 Mann hoch, alle mir nach. Ich nehme den Wagenheber und hebe Olli hinten um etwa 20 Zentimeter an. Dann lasse ich die Hubstützen herunter und lasse sie anschliessend von diesem ultrakorrekten Super-System wieder einfahren. Wie erwartet fahren drei der Stützen sauber ein, die letzte bleibt einfach am Boden stehen. Deutlicher kann ich es den Gehirnlegastenikern nicht vor Augen führen. Ich schau in an und frage ihn, ob für ihn das immer noch «normal» ist. Er sagt JA, das muss so sein. Ich bewundere, wie ruhig ich in der Situation geblieben bin und ich bewundere, wie konstant und selbstbewusst uns der Kauz für dumm verkaufen will. Als Oberhammer erklärt er uns noch ergänzend – und ich behaupte, das hat er spontan erfunden - dass man eben Auffahrkeile unter die Reifen legen muss, wenn man die Hubstützen verwenden möchte. Das schlägt dem Fass den Boden aus – ich will gerne wissen, was eine «HUB»-Stütze denn für einen Sinn hat, wenn man dann trotzdem Auffahrkeile unter das Auto legen muss – den GENAU diese Keile soll ein automatisches Hubstützensystem ja ersetzen. Das ist einfach nur noch lachhaft und ich komme mir vor wie in der Muppet Show. Dann mischt sich die Verkäuferin ein, der die Werkstatt gehört und sagt, sie können jetzt halt auch nichts mehr tun, denn sie haben schon so viel Geld und Stunden da investiert, und jetzt müssen wir es halt auch mal gut sein lassen. Ich glaube, ich bin nicht nur im falschen Film, ich fühle mich gerade als wäre ich auf einem anderen Planeten. Dem Planet der Affen.
Der Einzige, der ein Einsehen hat, ist der Mechaniker, denn er weiss haargenau, was die uns da gerade für einen zum Himmel schreienden Bullshit verkaufen wollen. Er legt sich während unserer Diskussionen wieder unters Auto und probiert noch ein paar Sachen aus. Ich bin kurz vor dem Durchdrehen – wir beide stehen da und fühlen uns von Ernie und Berta gerade so verarscht, wie schon lange nicht mehr. Oder eigentlich noch nie. Mit eingezogenem Kopf kommt der Mechaniker in unsere illustre Comedy-Runde und sagt, er hätte eventuelle eine Lösung. Er erklärt mir, dass wenn ich die Stützen manuell statt automatisch einfahre (die genauen Details erspare ich euch jetzt einfach mal), dann funktioniert es und die Stütze fährt sauber ein. Ich sehe ein kleines Licht am Ende dieser Lachparade. Ich probiere es selbst aus und tatsächlich – mit diesem «Trick» funktioniert es dann doch, dass die Stütze ganz einfährt und sich automatisch hochklappt. Ich zeige dem Affenkönig, wie eine Hubstütze aussieht, wenn sie eingefahren ist. Er nickt, als hätte er eine Ahnung und das schon vorher gewusst. Ich kann nicht mehr. Ich muss hier sofort raus!! Für mich ist die Sache jetzt erledigt – wir beide, Magdalena und ich, können damit leben und sind froh, dass wir nicht ganz umsonst heute hergekommen sind. Wenigstens haben wir eine brauchbare Lösung gefunden. Dank dem Mechaniker.
Wir sind uns einig, dass wir die Verabschiedung kurz ausfallen lassen. Mit der Verkäuferin war und ist immer eine Spannung dagewesen, seit das Thema mit den Hubstützen aufkam, aber mit der Mechanikerin «für innen» und dem Mechaniker «für aussen» haben wir uns gut verstanden und sie waren auch immer hilfsbereit und fair zu uns. Deswegen verabschieden wir uns ordentlich und bedanken uns für das, was sie in den letzten Wochen alles repariert haben. Wir vergessen leider schon wieder viel zu schnell, dass all diese Dinge eigentlich hätten repariert sein sollen, als wir das Fahrzeug abgeholt hatten. Wir hatten es ja genau dafür extra eine Woche bei ihnen stehen lassen, wo ganz genau GAR NICHTS repariert wurde. Aber was solls, wir sind zu gutmütig, zu herzlich und verzeihen viel zu schnell. Wir wollen jetzt einfach weg. Weg von der Werkstatt, weg von Whitesboro und endlich rein in unser lang ersehntes Abenteuer. Wir wollen die letzten Wochen am liebsten aus unserem Gedächtnis streichen und uns darauf konzentrieren, was noch vor uns liegt. Wir haben so viel Zeit verplempert – 6 Wochen von unserem 12 Wochen Visum sind rum, und wir haben noch so vieles, was wir erleben wollen.
Hitzeschlacht
Es ist nach wie vor die Hölle in Texas. Temperaturen um die 110 Fahrenheit (etwa 43 – 45 Grad im Schatten) killt jede Lust, überhaupt irgendetwas unternehmen zu wollen. Wir haben einige Punkte auf unserer Liste, die in Amarillo, Albuquerque und Santa Fe liegen. Der Nachteil: dort ist es überall genauso heiss wie es hier ist. Wir beraten uns und sind uns schnell einig: Es macht keinen Sinn. Wir können keine Wanderung machen, keine Outdoor-Aktivität, ja nicht mal ein See würde uns helfen, denn bei diesen Temperaturen hält man es nicht mal im Schatten aus.
Zudem läuft unsere Klimaanlage im Camper 24 h am Stück. Auch nachts. Wenn wir nur mal 5 Minuten ausschalten, fühlt es sich an wie in einem türkischen Dampfbad. Der Lärm, den die AC verursacht, ist ohrenbetäubend. Wir können uns fast nicht mehr unterhalten, ohne uns anzuschreien. Wir können nur schlafen, wenn wir uns mit Ohropax zustopfen – und die Luft ist dann so trocken, dass man am Morgen das Gefühl hat, man hat drei Becher Sand getrunken.
Schweren Herzens beschliessen wir, in den nächsten zwei Tagen eine ordentliche Strecke zurückzulegen und nach Norden zu flüchten. Unser erster Zwischenhalt ist in Wichita Falls. Dort wollen wir uns am Abend eigentlich noch die Wasserfälle ansehen, aber nachdem es auch um 20 Uhr abends immer noch gleich heiss ist wie am Nachmittag, verschieben wir den Ausflug auf den nächsten Morgen.
Um 05:00 Uhr klingelt der Wecker. Es hat immer noch 32 Grad – aber besser als 43. Wir machen uns schnell einen Kaffee und laufen los, um den künstlich angelegten Fällen einen Morgenbesuch abstatten zu können. Das morgendliche Streiflicht eignet sich perfekt für ein paar Fotos. Doch schon kurz danach fliehen wir wieder zurück zum Stellplatz, denn die Sonne heizt wieder ein. Wir verbringen noch ein paar Minuten an einer Parkbank, machen die Pläne für heute und verkriechen uns im Camper, wo die Klimaanlage auf Hochtouren läuft.
Zumindest zwei Punkte wollen wir auf unserer 450 Meilen langen Tour heute machen: Gegen Mittag soll es leckeres BBQ im berühmtesten Steak Restaurant von Texas geben. Und kurz danach geht es auf die Cadillac Ranch.
Big Texas BBQ & Steak
Die Strecke nach Amarillo, wo das «Big Texas Steak Ranch» steht, verläuft zum Glück problemlos. Als wir gegen 14 Uhr ankommen, knurren unsere Mägen schon ganz ordentlich und wir können es kaum erwarten, die BBQ-Platte und ein 300 Gramm Filetsteak genüsslich zu verzehren. Das Restaurant ist der Hammer – typisch amerikanisch, ordentliche Portionen und genau so eingerichtet, wie man es sich von einem texanischen BBQ-Restaurant erwartet. Da hat die Werbung nicht zu viel versprochen! Das besondere Highlight: wer es schafft, das 72 oz. schwere Steak (was umgerechnet 2.04 kg entspricht) inklusive Beilagensalat und Ofenkartoffel innerhalb von 60 Minuten zu verdrücken, der bekommt es geschenkt. Kurz nachdem wir unseren Tisch bekommen haben, versucht es auch tatsächlich ein Wettstreiter. Er nimmt am Podium Platz, wo ihm das ganze Restaurant zusehen kann, wie er sich an dem riesigen Brocken Fleisch versucht. Spoiler: er schafft es nicht. Nach den 60 Minuten hat er noch eine ordentliche Portion auf seinen Tellern vor sich und muss sich wohl oder übel geschlagen geben.
Wir schaffen unsere Portion auch nicht und nehmen uns die Reste für den nächsten Tag mit. Aus dem klimatisierten Restaurant geht es zum Camper. Als wir nach draussen gehen, wirft es uns fast wieder zurück ins Restaurant. Die Hitze ist wie ein Faustschlag ins Gesicht. Unglaublich, aber so etwas haben wir noch nie erlebt. Wir rennen förmlich zu Ollie, steigen sofort ein und machen die Klimaanlage an.
Cadillacs in Schieflage
Nächster Halt: die Cadillac Ranch, nur etwa 20 Minuten von Amarillo entfernt. Vermutlich hat jeder schon einmal ein Bild von den eingegrabenen Cadillacs gesehen, die auf unzähligen Postern und Plakaten verewigt wurden. Das wollen wir uns auch trotz der enormen Hitze nicht entgehen lassen. Bei der Ranch handelt es sich um ein Kunstprojekt. 1974 wurden westlich von Amarillo von der Künstlergruppe Ant Farm zehn Cadillacs in einer Linie und im gleichen Winkel mit der vorderen Hälfte im Boden eines Maisfeldes eingegraben. Alle Cadillacs stammen aus den Jahren zwischen 1948 und 1963. Sie repräsentieren einerseits den Beginn und andererseits den Niedergang der Heckflossen-Modelle der 1950er Jahre und verkörpern die Freiheit, die das Automobil mit sich brachte, sowie deren Faszination und Anziehungskraft.
Die Autos sind über und über mit Graffiti bemalt. Doch das ist gewollt, denn man wird sogar dazu ermuntert, beim Eingang zur Ranch eine Dose Farbspray zu kaufen und sich auf einem (oder mehreren) der Wagen zu verewigen. Lange hält das eigene Kunstwerk in der Regel nicht, denn bei der hohen Besucheranzahl werden die Fahrzeuge ständig übermalt. Und so lassen auch wir es uns nicht nehmen, auf eines der Cadillacs unsere Namen und unser Reisemotto zu sprayen.
Die halbe Stunde, die wir im Freien verbringen, bereitet uns Kopfschmerzen und wir haben das Gefühl, wir sind Dörrpflaumen im Hochofen. Nichts wie zurück zu Olli, die Klimaanlage wieder auf Anschlag und weiter – wir haben noch eine ordentliche Strecke vor uns und hoffen sehr, weiter oben in Norden etwas Abkühlung zu finden.
Liebe Grüsse
Reiseroute
27. Jun. 2023Lake Lewisville
US28. Jun. 2023Wichita Falls
US28. Jun. 2023Amarillo
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