
Die bunte Tierwelt Südafrikas
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11. Januar 2023Südafrikas schönste Seiten: Kruger Nationalpark und die Panoramaroute

Es gibt etwas bei einer Safari, dass dich alle Sorgen vergessen lässt und dir das Gefühl gibt, du hättest eine halbe Flasche Champagner getrunken – ein Gefühl, das dich überschäumt vor tiefempfundener Dankbarkeit am Leben…“
08. Januar 2023 - Reisetagebuch Eintrag #110
- SÜDAFRIKAS SCHÖNSTE SEITEN: KRUGER NATIONALPARK UND PANORAMAROUTE | geschrieben von Rene
Böse Überraschung: Auge in Auge mit einem Skorpion! Die Dreharbeiten zu unserem Projektfilm laufen auf Hochtouren. Wir besuchen den Kruger Nationalpark und staunen über die Schönheit der Panoramaroute.
Giftmischung
Wir sind mittlerweile von der Lodge wieder in das Haus von John und Hanna zurückgekehrt. Abends – es ist wieder einmal «Load Shedding» und der Strom ist weg. Wir sitzen mit unseren Handytaschenlampen im Dunklen im Fernsehraum und diskutieren über das, was wir heute erlebt haben. Magdalena steht auf und geht aufs WC. Schockmoment, als sie die Türe zum Gang aufmacht: der Strahl der Taschenlampe fällt genau auf einen Skorpion, der sich gerade mal einen Meter entfernt vor ihr befindet und sofort unter die Türe durch in das Badezimmer verzieht. Wir rufen John, der gleich mit der UV-Taschenlampe anrückt. Dank derer finden wir ihn schnell unter dem Badezimmerschrank und können ihn einfangen. Es ist ein Transvaal-Skorpion. Einer der gefährlichsten Skorpione der Welt. Das Gift bringt dich auf jeden Fall ins Krankenhaus. Bei einem schlechten oder angeschlagenen Immunsystem, geringen Körpergewicht oder einer allgemeinen Unverträglichkeit gegen das Skorpiongift ist der Ofen definitiv aus. Bedeutet: End of life!
Es lässt ihm keine Ruhe, er möchte nun nochmals das ganze Haus und auch um das Haus herum alles kontrollieren und absuchen. John und Hanna sind Eltern, und ihre Kleine ist gerade mal 10 Monate alt. Wenn ihr ein solcher Skorpion in die Quere kommt, wäre das möglicherweise ein Todesurteil für ihr Baby. Das möchte niemand miterleben. Wir suchen also die Umgebung ab – und wer hätte es gedacht: wir finden ausserhalb des Hauses nochmal zwei Transvaal-Skorpione und einige der Mosambik-Variante, die nicht viel ungefährlicher sind. Wir fangen alle ein und sperren sie zunächst in Gläser. 3 Stück der gefährlichsten Skorpione der Welt stehen nun also auf der Küchentheke. Sie rühren sich kein Stück und gehen vermutlich davon aus, dass bald ihre letzte Stunde geschlagen hat. Aber John kann das nicht. Wie erwähnt – er ist so unglaublich tierlieb, dass er sie in eine Box gibt. Er will sie vom Haus wegbringen und in der Natur aussetzen. Ich begleite ihn, und gemeinsam fahren wir zu einer Stelle etwa 3 km vom Haus entfernt und entlassen sie in die Freiheit.
John wurde glücklicherweise noch nie von einem Skorpion gestochen. Aber einer seiner Freunde hat es einmal erwischt. Als dieser eines Abends zu Gast ist frage ich ihn, wie sich dieser Schmerz anfühlt. Er erklärt es pragmatisch und leicht verständlich. Es ist so, als ob du deine Hand mit Benzin überschüttest, es anzündest und versuchst, es mit einem Hammer zu löschen – und das für 3 Tage lang. Ich frage nicht weiter.
Dreharbeiten im Busch
Für uns gehen die Dreharbeiten weiter. «Bush-Walks» gehören ebenfalls zum Angebot von Tatt´s Tours Africa. Wie der Name schon suggeriert, läuft man bei einem Bush-Walk mit einem Guide durch den Busch, begibt sich auf Spurensuche und versucht, der Tier- und Pflanzenwelt näher zu kommen. Natürlich muss so eine Szene auch in den Kasten. Wir laden einige Freunde und Bekannte ein, uns an einem Bush-Walk zu begleiten, damit wir das auf unser digitales Zelluloid festhalten können. Wir verbringen einen wunderbaren Nachmittag mit ganz vielen supernetten Leuten und haben jede Menge Spass beim Dreh. Es funktioniert alles reibungslos, alle sind mit Begeisterung dabei und machen ihre Sache einfach perfekt. Jede Anweisung, die ich gebe, wird prompt umgesetzt. So macht es Spass. Leider geht es nicht ganz unblutig ab: bei vollem Körpereinsatz verletzt sich Magdalena an einem Strauch am Bein. Natürlich lässt sie sich nichts anmerken. Mal schauen, ob aus dem Kratzer eine Narbe wird.
Beim anschliessenden Game Drive werden wir schlussendlich mit einer Herde Löwinnen belohnt. Die Herren der Schöpfung lassen sich wie gewohnt wieder einmal nicht blicken. Aber dafür dürfen wir die herrliche Szene mit etwa 6 Löwinnen geniessen, bevor uns die Dunkelheit leider einholt.
Am Sonntag ist unser freier Tag, und Wäschewaschen ist angesagt. Als wir gemütlich auf der Terasse stehen spaziert eine Giraffe am Haus vorbei. Es ist so absurd, wir stehen mit offener Kinnlade da und sagen zu uns selbst: ähh – bei uns im Garten steht eine Giraffe! Okay, unser Leben ist spätestens jetzt mehr als ungewöhnlich. Aber auch die kommenden Tage sind geprägt von Begegnungen. Als wir am nächsten Morgen durch unser Schlafzimmerfenster schauen, tummelt sich eine Herde Zebras davor herum. Natürlich bleiben wir nicht im Zimmer und machen uns sofort auf den Weg nach draussen. Die Zebras sind zwar scheu, aber auf gut 10 Meter lassen sie uns heran. Perfekt, um ein paar Bilder zu schiessen.
Kruger Nationalpark
Obwohl wir schon unglaublich viele Tiere zu Gesicht bekommen haben, möchten wir einen Blick in den wohl berühmtesten Nationalpark Afrikas, ja wenn nicht der ganzen Welt, werfen: dem Kruger Nationalpark. Das ist nicht Teil unseres Arrangements, aber wir übernehmen gerne die Kosten dafür und verbringen mit John und Anna, die uns gerne begleiten, einen ganzen Tag im Nationalpark. Der Kruger Nationalpark hat unvorstellbare Dimensionen. Angefangen bei seiner Grösse von rund 19.500 km². Somit ist er flächenmässig um einiges grösser als beispielsweise Bahrain (760 km²), Luxemburg (2.586 km²), Zypern (9.251 km²), Jamaika (10.991 km²) oder Kuwait (17.818 km²). Die unglaubliche Gesamtfläche des Kruger Nationalparks ist vergleichbar mit Slowenien (20.273 km²) oder Israel (20.770 km²) und ist somit halb so gross wie die ganze Schweiz!
Das Gebiet beheimatet 1.982 verschiedene Pflanzenarten, 517 Vogelargen 120 Reptilienarten, 52 Fischarten und 147 Säugetierarten. Dass es ein Naturschutzgebiet ist, verdanken wir in erster Linie dem Sohn deutscher Einwanderer: Paul Krüger. Als Südafrikas Präsident erklärte er im März 1898 mit den Worten «Wenn ich diesen kleinen Teil von Lowvelds nicht schütze, werden unsere Enkelkinder nie wissen, wie ein Elefant, Löwe oder Kudu aussehen» das Sabie Game Reserve zum Schutzgebiet für Wildtiere.
Wir werden nicht enttäuscht. Der Eintritt in den Kruger Nationalpark kostet für Erwachsene zwar immerhin 460 Rand (etwa 25,20 EUR, Stand 12/2022), aber bei der Fahrt durch einen kleinen Teil des Parks sehen wir eine unglaubliche Artenvielfalt. Wir können uns fast nicht sattsehen. Alte Bekannte wie Giraffe, Zebra, Impalas, Gnus, Kudus und Wasserbüffel mischen sich mit Tieren, die wir bislang noch nicht gesehen haben: die Nilpferde schwimmen gemütlich im Fluss, unsere eifrige Suche nach einer Hyäne wird auch belohnt und schlussendlich sehen wir ein Gepardenweibchen, die gerade mit ihren 3 Jungen genüsslich eine Antilope (die wir Fred nennen) verspeist. Armer Fred. Aber so ist das Leben hier. Wieder einmal sind wir absolut geflasht, baff und begeistert. Auf der Heimfahrt sprechen wir fast kein Wort und schwelgen stattdessen in den unglaublichen Erinnerungen dieses Tages.
Durch die Panoramaroute
Unser Programm ist noch nicht durch. Auf unserer Liste steht die Panoramaroute, die es ebenfalls als Package zu buchen gibt. Daher geht es für uns am nächsten Tag wieder los auf eine Ganztagestour, die es wirklich in sich hat. Afrikas Naturschönheiten stehen heute im Vordergrund, und wir sind mit Kameras und Drohne wieder mit dabei. Wir starten mit der Wanderung bei den Tufa Waterfalls. Nach einem leichten Fussmarsch von etwa 30 Minuten erreichen wir die Wasserfälle. Mangelware ist leider das Wasser selbst. Das Becken und die Szene sind trotzdem wunderschön, auch wenn kaum Wasser von oben strömt. Der Teil hat sich auf jeden Fall gelohnt und wir können wunderschöne Bilder und schönes Videomaterial sammeln.
Weiter geht es zum absoluten Highlight der Panoramaroute: den Three Rondavels. Bei den meisten Natursehenswürdigkeiten in Südafrika ist ein mehr oder minder grosser Obolus fällig. Natürlich auch bei den Three Rondavels: 35 Rand (rund 1,90 Euro, Stand 12/2022) sind pro Erwachsenen fällig. Aber die Aussicht auf die 3 Steinsäulen und den Blyde River Canyon lohnt sich allemal! Wir sind schwer beeindruckt und wären gerne noch länger geblieben, aber der Zeitplan drückt uns leider wieder einmal und wir müssen nach einer kurzen Kaffeepause weiterziehen.
Unser nächster Stop sind die «Bourke's Luck Potholes». Hier sind 65 Rand (rund 3,60 EUR, Stand 12/2022) Eintritt. Die Potholes markieren den Beginn des Blyde River Canyon. Über Jahrtausende hinweg spülten und schleiften die wirbelnden Strudel des Treur River, der an dieser Stelle in den Blyde River stürzt, Sand und Gestein aus dem Wasser und formte riesige, zylindrische Löcher in das Grundgestein des Flusses.
«God´s Window», das Fenster Gottes klingt wirklich dramartisch. An dem auf 1,829m liegenden Aussichtspunkt hat man einen wunderbaren Panoramablick auf das Lowveld, in der Ferne sieht man sogar den Krüger-Nationalpark und Mosambik. Vom Parkplatz führt ein steiler Fußweg am Rand der Böschung entlang zum eigentlichen Aussichtspunkt, wo sich ein Wild Nature Reserve befindet, der wirkt wie eine andere Welt und stark an einen Dschungel oder Regenwald erinnert. Wer hier herkommen möchte sollte allerdings einen klaren Tag wählen, denn andernfalls liegt die Region vollkommen im Nebel, und mit Sicht ist nix.
Nächster Halt: die Mac Mac-Falls. Es sind mit einer Tiefe von 65 m die zweithöchsten Wasserfälle auf der Mpumalanga-Tourroute. Ein kurzer Spaziergang auf einem Zementweg führt zur Aussichtsplattform über den Wasserfällen. Ursprünglich war es ein einzelner Strom, aber seinerzeit sprengten Goldgräber den Flusslauf mit Dynamit, um ihn umzuleiten und das goldhaltige Riff, über das er stürzt, bearbeiten zu können. Hier ist endlich Zeit, die Drohne auszupacken und loszudüsen. Bei den meisten Sehenswürdigkeiten ist das Fliegen ja verboten (meine Meinung zu diesen sinnbefreiten Verboten habe ich ja bereits in vielen unserer Berichte kundgetan). Hier bei den Mac Mac´s ist nichts los, wir sind allein und ich pfeif auf das Drohnenverbot. Die Aufnahmen werden fantastisch!
Der Tag ist schon fast vorbei – die Route hat es wirklich in sich. Aber es lohnt sich. Ein Programmpunkt steht noch auf der Liste: die Big Swing! Sie ist eine der höchsten Schluchtschaukeln der Welt und startet an der Spitze des Motitsi Falls. Wer es wagt, ist zuerst 70 m im freien Fall, bevor das Springseil dich in einem Hochgeschwindigkeitsbogen bei rund 140 km/h von einer Seite der Schlucht zur anderen schwingt! Ursprünglich hatten wir ausgemacht, dass wir das machen und zwecks Dokumentation auf Video festhalten. Das wäre bestimmt der Kracher geworden, und ich als alter Adrenalinjunkie wäre da natürlich sofort runtergesprungen. Aber leider wird nichts daraus, die Kosten sind zu hoch. Na ja, schade. Da das Areal Eintritt verlangt, gehen wir nach ewig langen Diskussionen mit dem Personal leider nur zu zweit rein – dafür zumindest gratis. Magdalena und Anna müssen derweil im Auto warten. Ich mache schnell ein paar Bilder und ein Video von den Wasserfällen. Leider springt auch kein anderer mehr, und so sehen wir die Adrenalinschaukel leider nicht in Aktion.
Für heute haben wir ein Megaprogramm hinter uns – und der Tag neigt sich langsam dem Ende. Oder zumindest in die Dämmerung. Wir steigen wieder ins Auto und machen uns auf den Heimweg. Gut 2 h Fahrt stehen uns noch bevor. Als wir zuhause ankommen, fallen wir fix und fertig in die Sessel. Jetzt müssen wir das ganze Video- und Fotomaterial noch von den Speicherkarten ziehen und auf die Festplatten kopieren. Das Abendessen kommt auch heute leider wieder mal zu kurz.
Abschied vom Busch
Für uns heisst es nun: Koffer packen. Schon wieder. Das Reiseunternehmen möchte im Imagefilm gerne auch Szenen aus Kapstadt und dessen Umgebung haben. Daher müssen wir dorthin. Doof ist, dass Kapstadt einmal quer über ganz Südafrika genau auf der entgegengesetzten Seite liegt. Das kann man mit dem Auto machen, aber da wäre man dann mindestens 2, wenn nicht eher 3 Tage unterwegs. Also müssen wir Fliegen. Für unser schmales Reisebudget ist zwei Mal im Monat fliegen nicht gerade besonders förderlich. Selbst ohne den Aufpreis für die Klasse beim Flug nach Johannesburg – den ich privat und nicht aus der Reisekasse bezahlt habe - sind wir diesen Monat einiges über unserem Monatslimit. Aber in den sauren Apfel müssen wir leider beissen – denn es nützt ja nichts, wenn John und Hanna 3 Tage vor uns in Kapstadt ankommen. Also: Augen zu und durch. Der Inlandsflug kostet beinahe gleich viel wie der Flug von Zürich nach Johannesburg. Autsch…
Liebe Grüsse
Reiseroute
20. - 30. Nov. 2022Hoedspruit
ZA