
Auf den Spuren von „Indiana Jones“
22. Juni 2021
Granada grandios! Tapas, Gärten und Paläste
26. Juni 2021Der wilde Westen Spaniens: Die Tabernas-Wüste

"Ich hab schon mal drei von diesen Mänteln gesehen. Sie haben am Bahnhof auf jemanden gewartet. In den Mänteln waren drei Männer, und in den Männern drei Kugeln."
24. Juni 2021
- DER WILDE WESTEN IN SPANIEN - DIE TABERNAS WÜSTE | geschrieben von Rene
Die Wüste Tabernas, Sierra Alhamilla und die staubige Welt des wilden Westens
Unsere grosse Filmtour nimmt (noch) kein Ende. Wer erinnert sich an die famosen Spagetti-Western aus den 60ern, 70ern und 80ern mit Bud Spencer, Terence Hill aber auch vielen amerikanischen Filmstars wie Clint Eastwood, Peter O’Toole und Antony Quinn? Lawrence von Arabien, Für eine Handvoll Dollar, Vier Fäuste für ein Halleluja und Indiana Jones sind nur ein paar Beispiele der unzähligen Filme, die alle am gleichen Schauplatz gedreht wurden. Preisfrage: Wo? Richtig – in Europas einziger Wüste, in der Desierto de Tabernas. Für die Filmcrews der Italo-Western war Spanien wesentlich einfacher zu erreichen als Amerika, aber auch für Produktionen aus Übersee und der ganzen Welt wird die Tabernas-Wüste wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Wüsten Nordamerikas („Wilder Westen“), Nordafrikas und Arabiens seit den 1950er Jahren bis heute als Drehort unzähliger Filme verwendet. Charles Bronson und Henry Fonda bekämpften sich hier in Sergio Leones Kult-Western "Spiel mir das Lied vom Tod“. Pierre Brice war in "Winnetous Rückkehr“ hier, Arnold Schwarzenegger als "Conan, der Barbar“. Über 300 Spielfilme wurden in der Desierto de Tabernas gedreht – und es werden jedes Jahr mehr.Vielleicht sind wir beide ja etwas komisch. Da, wo andere nur Staub, Steine und stachelige, halbvertrocknete Pflanzen sehen, flammt bei uns die Faszination auf. Tabernas ist also ein Pflichtziel auf unserer Reise – und sei es nur darum, sich mal ein bisschen wie ein echter Cowboy (und natürlich Cowgirl) zu fühlen. Die Anreise zur Tabernas-Wüste ist relativ einfach. Von Almeria führt eine Autobahn quer durch ein paar Hügel, und nach etwa einer Stunde sind wir dann auch schon am Ziel. Die Region ist sehr weitläufig, aber innerhalb von 10 Kilometern finden sich einige Westernstadt-Requisiten, die nach wie vor für Filme herhalten. Eine davon nennt sich « Oasys Mini Hollywood». Alle Gebäude wurden eigens für Filmproduktionen entworfen und aufgestellt. Heute dient die Anlage als Touristenattraktion. Coronabedingt dürfen wir uns wieder einmal über spärliche Besucherzahlen freuen. So schaffen wir es, viele der Gebäude ohne «störende» Besucher fotografieren zu können. Und man muss wirklich neidlos zugeben: wenn man so mitten drinnen steht in der Filmkulisse, fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie im Wilden Westen, den wir aus den alten und neuen Filmen kennen. Der Park wurde seinerzeit um einen Zoo erweitert, was wir persönlich nicht unbedingt gebraucht hätten, denn wir sehen die Tiere lieber, wenn sie frei sind. Aber gut – ist jetzt halt einfach so.
Für unser Nachtquartier haben wir uns etwas ganz Spezielles ausgesucht. Wieder einmal – wir hoffen wir langweilen euch nicht damit – ein Originalschauplatz von Game Of Thrones. Gerade mal 15 Minuten entfernt steht eine frei zugängliche Filmkulissenstadt, die eigens von Ridley Scott für seinen Blockbuster «Exodus» entworfen wurde. Und offensichtlich ist es auch erlaubt, direkt dort zu parken und über Nacht zu bleiben. Und genau an dieser Kulisse wurden auch Szenen mit Daenerys, Khal Drogo und den Dothraki gedreht. Für Leser, die die Serie nicht gesehen haben ist das vermutlich nicht besonders spannend – aber als Tipp von mir: wer nicht allzu zart besaitet ist sollte sich mal ein paar Folgen gönnen. In meinen Augen die mit Abstand beste Serie, die jemals gedreht wurde.
Als wir ankommen ist wieder mal etwas Vorsicht angesagt. Die Strecke ist natürlich Schotterpiste, die ziemlich steil bergab geht. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob das mit Frida problemlos geht. Deshalb geht Magdalena erstmal zu Fuss vor und checkt die Lage. In der Zwischenzeit packe ich unser Klapprad aus und folge ihr. Plötzlich stehen wir vor einem Absperrband. Uns sind davor schon Schilder mit der Aufschrift «Set», «Base Camp» und «Technic Base» aufgefallen. Wir gehen trotz Absperrung weiter und erreichen schlussendlich die Filmkulisse. Zu unserer Überraschung stehen einige LKWs davor, also alleine sind wir nicht. Als wir neugierig um die Kulisse gehen und die ersten Fotos machen wollen, kommt plötzlich ein etwas eher ruppiger Typ auf uns zu und quatscht uns auf Spanisch an. Ich erkläre ihm, dass wir gerne ein paar Fotos machen wollen. Viel Geduld hat er nicht, denn er sagt relativ rasch, dass es nicht erlaubt ist, dass es Privatgelände ist und wir sofort verschwinden sollen. Wir dürfen keine Fotos machen und wenn wir länger hierbleiben, ruft er die Polizei. Ziemlich baff über so viel Unfreundlichkeit und unter der Einsicht, dass ein weiteres Diskutieren wohl keinen Sinn macht, gehen wir halt wieder weg. Ich stifte Magdalena aber vorher noch an, im Vorbeigehen doch noch das ein oder andere Foto zu machen. So, dass er es nicht sieht. Als wir dann gute 50 Meter weg sind, kommt uns der Typ hinterher. Na toll – in dem Fall hat er gesehen, dass wir DOCH Fotos gemacht haben. Er mault uns irgendetwas hinterher und ich bin drauf und dran, einfach weiterzugehen bevor er auf die Idee kommt, unsere Handys zu filzen und die Fotos zu löschen. Magdalena bleibt aber stehen (sie sieht halt immer das Gute im Menschen). Also bleibe ich auch stehen und mach mich für einen Faustkampf bereit. Er hat sein Handy in der Hand und hält es mir unter die Nase. Mit meinen Spanischkenntnissen sind Fachausdrücke natürlich noch nicht so einfach zu verstehen, aber jetzt kapier ich es: er hat extra im Übersetzer eingegeben, was er uns davor eigentlich ziemlich unfreundlich sagen wollte: Das Set wurde extra für einen Filmdreh präpariert, deswegen dürfen wir es nicht betreten und auch keine Fotos davon machen. Er hat jetzt eindeutig ein schlechtes Gewissen, weil er kurz davor so ein A…ngeber war und wird jetzt plötzlich redselig und extrafreundlich. Er ist offensichtlich für die Organisation des Sets, die Security und alles drum herum verantwortlich. Und dann plaudert er aus dem Nähkästchen, was er so macht, wen er schon alles getroffen hat, dass er auch beim Dreh von Game Of Thrones dabei war und erzählt uns noch von so einigen anderen frei zugänglichen Schauplätzen, die wir dann auf Maps eintragen. Es ist superspannend was er schon alles gemacht hat und wo er überall dabei war. Also wird doch noch alles gut, jetzt verstehen wir uns auch und wir unterhalten uns gute 10 Minuten über die Filmwelt. Wir wollen den Bogen natürlich nicht überspannen und verabschieden uns dann freundlich von ihm, er sich von uns und wir entfernen uns vom Filmset. So, wie es sich gehört.
Mir lässt es aber keine Ruhe – ich bin ja mit dem Fahrrad unterwegs und beim Rückweg sage ich zu meiner Frau, dass ich jetzt das Gelände trotzdem noch erkunde. Ich schaue einfach, dass er mich nicht sieht. Ich KANN mir das einfach nicht entgehen lassen. Maggy geht derweil Richtung Wohnmobil zurück, das auf einer Anhöhe steht auf der man alles relativ gut überblicken kann. Als ich etwa 5 Min. unterwegs bin und das weitläufige Gelände von der anderen, nicht einsehbaren Seite erkunde, klingelt mein Handy. Magdalena. Ohje. Ich nehme ab, und sie plappert gleich los: «VERSTECK DICH!! Er fährt mit dem Auto weg, vermutlich hat er dich gesehen und sucht dich jetzt…». So ein Mist. Jetzt habe ich unsere neue Freundschaft also gleich wieder ruiniert. Ich schnappe mein Klappbike, werfe es hinter die Büsche und verstecke mich hinter einem kleinen Hügel. Wie Indiana Jones. Magdalena informiert mich weiter – er steht jetzt an seiner eigenen Absperrung. Die Entscheidung: fährt er in meine Richtung oder fährt er in die andere? Die Spannung steigt. Doch offensichtlich hat er mich doch nicht gesehen, denn er fährt in die andere Richtung, dorthin wo man aus dem Tal rauskommt auf die Bundesstrasse. Als er bei meiner Frau vorbeifährt grüsst er noch freundlich (und fragt sich vermutlich, wo ICH bin?). Aber Tatsache ist, dass er das Set verlassen hat. Dreimal dürft ihr raten, wie es weitergeht. Ich befreie mein armes Klappbike aus den Büschen und fahre jetzt natürlich genau dorthin, wo ich nicht hindarf. Magdalena steht schmiere und würde mich informieren, sobald er wieder zurückkommt. Ich quetsche die letzten 15 % aus meinem Handyakku, bis er leer und die Speicherkarte voll ist und bewundere die Kulisse von alles Seiten. Alle nachfolgenden Bilder sind rein zufällig und nahezu ungewollt entstanden…
So frech, die Nacht dort zu verbringen sind wir dann aber doch nicht. Zumal am nächsten Tag (Montag) die Dreharbeiten ja los gehen sollten. Also verziehen wir uns schlussendlich wirklich und parken auf einem riesigen Parkplatz in der Nähe einer Tankstelle (der – wie sollte es anders sein – AUCH mal als Filmkulisse gedient hat). Für diejenigen, die es wissen wollen: in der Netflix-Serie «Black Mirror», Staffel 4 Folge 6 («Black Museum»). Es ist alles ruhig an der Tanke und wir haben einen wunderbaren Blick auf einen der vielen Canyons und sehen einen wunderschönen Sonnenuntergang. Haaach, ich liebe die Prärie.
Am nächsten Tag nehmen wir uns einen der Tips unseres neuen Freundes vom Filmset an: die «Oasys Lawrence Of Arabia». Es ist nicht schwer zu erraten, was dort gedreht wurde. Doch da müssen wir zu Fuss hin, da der Weg durch ein ausgetrocknetes Flussbett nur für ein 4x4 Fahrzeug machbar ist. Aber der Weg ist nicht allzu weit, und wir schaffen alles in gut einer Stunde von einem Wanderparkplatz aus. Während unserer Wanderung wird uns auch plötzlich und überraschend klar, warum die Wüste eine Wüste ist. Im Augenwinkel sehe ich etwa 2 m vor uns etwas, das sich bewegt. In einem Reflex bleibe ich stehen und halte Magdalena am Arm, die zwar zuerst erschreckt, mir danach aber dankbar ist: vor uns kriecht eine fette Schlange, gut 1,5 m lang und so dick wie ein Hühnerei. Wir wären fast auf sie draufgestanden. Gut, ich habe keine Ahnung von Schlagen, aber die hier sah schon recht gross aus – vor allem in freier Wildbahn sind wir zarten Mitteleuropäer das nicht gewöhnt. Sie zieht aber gemütlich davon und verschwindet dann in den Büschen. Keine akute Gefahr mehr, aber ab diesem Zeitpunkt werden wir etwas vorsichtiger und achten von nun an mehr auf die Umgebung.
Die Oase selbst – oder was noch davon übrig ist – ist soweit ganz schön. Natürlich ist vom Filmset des 1962er Monumentalstreifens nicht mehr viel erkennbar, und ich muss auch eingestehen, dass es schon viele Jahre her ist als ich Lawrence von Arabien gesehen habe. Somit kommt mir keine Ecke davon bekannt vor. Aber ich nehme mir trotzdem vor, den Film in den nächsten Monaten vielleicht nochmals anzusehen und zu schauen, ob ich irgendetwas wiedererkenne.
Nach unserer Rückkehr zum Ausgangspunkt haben wir noch einen allerletzten Punkt, den wir abhaken müssen. Es gibt noch eine Szene, die mir aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug in Erinnerung geblieben ist und hier in der Nähe gedreht wurde – in der Rambla de Benavides. Als Jones Senior von den Deutschen in einem Panzer gefangen gehalten wird, liefern sich Jones Junior und der deutsche Oberst eine fiese Schlacht in der Wüste. Panzer gegen Pferd. Alle diese Szenen wurden hier gedreht. Das müssen wir natürlich zu guter Letzt noch begutachten und machen einen ausgedehnten Spaziergang durch die bizarre Landschaft, bis unseren Speicherkarten vor lauter Bildern wieder mal fast übel wird. Aber es hat sich gelohnt, zumal auch – sorry, langweilig, Wiederholung: hier auch Szenen von Game Of Thrones gedreht wurden.
Voller Sehnsucht und Melancholie über die gute alte Filmzeit, den wilden Westen Europas und die faszinierende Welt der Drehorte verlassen wir die Region rund um Tabernas und fahren in Richtung Granada. Dort wartet mit der Alhambra eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Europas und – das darf natürlich nicht fehlen – ist die Festung seit 1984 auch Weltkulturerbe.
Malaga, im Juni 2021
Liebe Grüsse
Liebe Grüsse
Rene
Reiseroute
30. Mai - 31. Mai 2021Wüste von Tabernas
ESP
Erfahrungsberichte
Neueste Berichte
Die aktuellsten Beiträge aus der Kategorie "Erfahrungsberichte"
Abonnieren
0 Kommentare
Oldest