
Sehnsuchtsstrassen – Namibias Süden
19. März 2023
Kalahari Car Hire – unsere Erfahrungen mit der 4×4 Autovermietung aus Namibia
24. März 2023Diamantenfieber

Ich weiß aus bitterer Erfahrung, wie trügerisch mitunter das Äussere sein kann, dass sich unter Blumen manchmal eine Schlange verbirgt.
22. März 2023 - Reisetagebuch Eintrag #121
- DIAMANTENFIEBER | geschrieben von Rene
Lüderitz
Wir haben eine lange Tour hinter uns. Über 500 km sind wir heute schon unterwegs, und jetzt endlich am Ziel angekommen. Lüderitz wirkt nicht besonders charmant. Wir machen mit dem Auto eine kurze Tour durch die Stadt. Es gibt einige Häuser, die stark an die Kolonialzeit erinnern und teilweise unter Denkmalschutz stehen. Doch unsere Motivation, heute noch etwas zu unternehmen, liegt bei Null. Zu lange war die Fahrt hierher und wir wollen uns eigentlich nur Ausruhen. Der Wind bläst so stark und zudem recht kühl, sodass wir ganz kurzfristig entscheiden, ausnahmsweise in ein Apartment zu gehen. Wir finden eines, das für uns beide sogar billiger ist als die städtische Campsite. Da müssen wir nicht lange nachdenken. Wir haben heute also wieder ein Dach über dem Kopf und können windfrei auf einer echten Herdplatte kochen.
Nach dem Abendessen wird es rasch dunkel. Für heute haben wir uns eindeutig zu viel vorgenommen. Eigentlich wollten wir gerne noch raus, aber wir können uns nicht mehr aufraffen. Ich freue mich auf eine erfrischende Dusche und dann das Bett. Wir vertagen unsere Besichtigungstour auf den nächsten Tag – und haben da schon das Gefühl, dass es damit nichts wird.
Wir schlafen sehr gut in unserem Apartment, aber für den nächsten Tag steht etwas ganz Spezielles auf dem Programm: Kolmanskop, oder Kolmannskuppe - die Geisterstadt, die nur etwa 10 km ausserhalb von Lüderitz liegt. Bei Geisterstädten denkt man unweigerlich an verlassene Wüstenstädte im Wilden Westen der USA. Gut, im Westen sind wir auch, aber Namibias Westen. Und nicht minder spannend ist die Geschichte von Kolmanskop - denn das war einst eine blühende Diamantengräberstadt. Hier schwelgten die Bewohner in Luxus, hatten Dinge, von denen zu ihrer Zeit viele nur träumen konnten. Die Damen flanierten in ihren luxuriösen Kleidern durch die Stadt oder fuhren mit der örtlichen Strassenbahn, die Herren vergnügten sich in der städtischen Kegelbahn oder in der Bar und die Kinder konnten ins Schwimmbad. Abends konnte man ins Theater gehen, oder man sah sich eine Veranstaltung im Ballsaal an. Doch alles der Reihe nach.
Die Geschichte von Kolmannskuppe
Die Lüderitz-Eisenbahn erreichte den Ort auf ihrem Weg nach Aus 1905 zur Zeit von Deutsch-Südwestafrika. 1908 fanden zwei Eisenbahnarbeiter in der staubigen, unwirtlichen Umgebung zufällig die ersten Diamanten. Es gab weder Wasser noch Regen, keine Erde, in der auch nur das Geringste hätte wachsen können, und keine Infrastruktur. Nur Sand, regelmäßig heftige Sandstürme und eine unbarmherzige Hitze. Doch lange dauerte es nicht, und das Diamantenfieber war geweckt. Der Boom sorgte für ein sehr schnelles Wachstum des Camps, in der zunächst nur die Siedlung der Diamantensucher stand. Der neue Reichtum der Bewohner liess wie aus dem Nichts eine Stadt entstehen, die für die trostlose und lebensfeindliche Umgebung ein überschwängliches Luxusangebot bereithielt.
Zur Blütezeit lebten hier an die 400 Menschen und es entstanden herrschaftliche Steinhäuser nach deutschem Vorbild. Neben Unterkünften für die Arbeiter gab es Verwaltungs- und Dienstgebäude. Es gab ein Elektrizitätswerk, ein Krankenhaus mit der ersten Röntgenstation Afrikas, sogar eine Eisfabrik, einen Einkaufsladen, eine Metzgerei und eine Schule. Ja sogar ein Schwimmbad und eine Strassenbahn für den Transport von Waren und Personen innerhalb des kleinen Ortes waren zu finden.
Wasser musste aus dem etwas 1.000 km entfernten Kapstadt per Schiff angeliefert werden. Das Baumaterial und die Einrichtung für die Häuser und alles, was schon in Europa als "luxuriös" galt, wurde aus Deutschland versendet und in Lüderitz angelandet. Kolmannskuppe galt damals - gemessen an der Einwohnerzahl - als die reichste Stadt Afrikas. Doch genauso schnell, wie der Boom kam, verschwand er auch wieder. In den 1920er-Jahren ebbte der Diamantenvorrat stetig ab, die Diamantenfelder waren abgebaut und die Förderung verlegte sich immer weiter südlich in Richtung Elisabethbucht. 1931 waren die Diamantenvorkommen so gut wie erschöpft. Bei der Mündung des Oranje war man auf Diamantenvorkommen gestoßen, die die Kolmanskop-Diamanten deutlich übertrafen und so zogen viele Siedler und Arbeiter einfach weiter zur nächsten Mine. Nach und nach verliessen die Bewohner die Kolmannskuppe und überliessen sie ihrem sandigen Schicksal. Die meisten Einrichtungsgegenstände wurden einfach dagelassen. 1956 wurde das Krankenhaus geschlossen und die letzte Familie verliess die ehemalige Prunkstadt.
In den darauffolgenden Jahren fiel die Stadt zunehmend Vandalismus und Plünderung zum Opfer. Für Bauvorhaben in Lüderitz wurde kurzerhand alles Brauchbare aus Kolmannskuppe demontiert: Türen, Fenster, Sanitäreinrichtungen, Möbel, Böden, ja sogar Ziegelsteine und Rohre. Als in den 1990er Jahren Lüderitz einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, begann man auch in Kolmannskuppe einige erhaltenswerte Gebäude wieder zu restaurieren und Räume originalgetreu nachzubilden. Aus der Geisterstadt wurde ein Museum. Das Betreten wird streng kontrolliert und auch das Verlassen des Siedlungsgebietes nach Süden ist streng untersagt, da im sogenannten "Sperrgebiet" immer noch Diamanten abgebaut werden und somit Schmuggel verhindert werden soll.
Das Museum ist nur vormittags von 08:00 bis 13:00 Uhr geöffnet. Nachmittags frischt der Wind in der Regel so stark auf, dass es schwer wird, sich im Freien zu bewegen. Die sandige und staubige Luft macht das Atmen schwer und die Sicht wird schlecht. Deswegen entscheiden wir uns, gleich zur Öffnung der Geisterstadt um 08:00 Uhr dort zu sein. Das lohnt sich, wie wir finden. Der Eintritt in die Kolmannskuppe kostet 130 N$ pro Person (etwa 6,90 EUR p. P., Stand 02/2023). Es ist nicht besonders viel los, die Temperaturen sind noch angenehm und es ist fast windstill. Man kann sich in der Kolmannskuppe entweder frei bewegen, oder man nimmt an einer kostenlosen Führung teil, die in der Regel in Deutsch und Englisch angeboten werden. Die Führungen in Kolmannskuppe starten um 09:00 Uhr und um 11:30 Uhr, Treffpunkt ist der Turnsaal im Veranstaltungsgebäude. Eine Führung würden wir unbedingt empfehlen, denn die Guides haben neben der offiziellen Geschichte der Stadt noch einige interessante Hintergrundgeschichten und heitere Anekdoten auf Lager, und das wertet den Besuch zusätzlich auf. Auch das im Veranstaltungsgebäude untergebrachte Museum ist reich an Informationen über den Diamantenabbau der damaligen Zeit und die vielen Versuche der Minenarbeiter, die Diamanten illegal aus dem Lager zu schmuggeln. Zudem kann man im Anschluss an eine Führung das Gelände auf eigene Faust erkunden, solange man will. Das tun wir natürlich auch und sind beeindruckt, wie sich die Natur das Gebiet nach und nach wieder zurückholt und es die Gebäude mit Sand und Staub verschüttet.
Natürlich bleiben wir wieder ungewöhnlich lange – wie so oft. Aber das sind nun mal genau die Plätze, die uns faszinieren. Eine ehemalige Prunkstadt, die zum «Lost Place» geworden ist. Es ist einfach faszinierend, dass alles, was der Mensch auch baut und errichtet, früher oder später von der Natur zurückgeholt und vom Antlitz der Erde getilgt wird, wenn wir nicht eingreifen würden.
Gegen Mittag verlassen wir Kolmanskop wieder. Eigentlich hätten wir noch die Stadtbesichtigung von Lüderitz auf dem Plan, die wir am Vortag nicht geschafft und auf heute verschoben haben. Aber irgendwie haben wir gar keine Lust, nochmals zurückzufahren. Das Stadtbild hat uns nicht so beeindruckt, dass wir das Bedürfnis haben, es genauer anzusehen. Wer weiss was wir verpasst haben – aber für uns geht es nun jedenfalls zurück in Richtung Aus. Zwischen den zwei Siedlungen liegen 120 km Strasse, die wir am Vortag schon befahren haben.
Garub-Pferde, die Zweite
Auf der Strecke machen wir nochmals halt bei der Wasserstelle der Namib-Pferde und wollen unser Glück versuchen. Heute scheint es zunächst noch ruhiger zu sein als am Vortag. Am Wasserloch ist nicht besonders viel los. Ein Straussenpaar und ein paar Oryx-Antilopen, aber keine Pferde in Sicht. Wir lassen uns nicht entmutigen und harren noch etwas an dem schönen Aussichtspunkt aus. Das sollte belohnt werden, denn nach einiger Zeit kommt eines der Pferde näher und stillt seinen Durst. Der Hengst wird neugierig und kommt gemächlich immer näher an unseren Unterstand. Als er ganz nah ist, geht Magdalena raus und versucht, wie nahe man dem Wildpferd kommen kann. Zu unserer Überraschung ist er zwar vorsichtig, aber extrem zutraulich. Das Eis ist bald gebrochen und er weicht plötzlich gar nicht mehr von Magdalenas Seite. Wir machen unzählige Fotos, streicheln ihn und er trottet uns hinterher, als wolle er mit uns mitkommen.
Einige Zeit vergeht, und wir machen uns daran, uns zu verabschieden. Wir setzen uns ins Auto und wollen gerade starten, als er plötzlich neben dem Beifahrerfenster steht und hereinschaut. Wir lassen die Scheibe runter, er steckt seinen Kopf rein und holt sich nochmals eine Portion Streicheleinheiten. Jetzt ist aber genug, ich starte den Motor, doch er kann und will sich nicht von uns lösen. Er schaut so traurig drein, dass wir das Gefühl haben, er möchte mit uns mitkommen. Er weicht keinen Meter vom Auto. Ich muss mich zentimeterweise langsam rückwärts bewegen, doch er läuft uns hinterher. Es bricht uns fast das Herz, aber wir können halt einfach kein Wildpferd mit auf unsere Reise nehmen. Wir schaffen es, umzukehren und fahren langsam davon. Im Rückspiegel sehe ich ihn immer noch, wie er wie angewurzelt am Parkplatz steht und uns traurig hinterherblickt. Oh mein Gott, ist das herzzerreissend…
Unsere Fahrt ist heute zum Glück nicht so lange wie die Tage davor. Nur gut 15 km von der Garub-Wasserstelle entfernt ist unsere Campsite, die Gondwana Lodge Klein-Aus Vista. Und das ist optisch wieder mal ein echter Leckerbissen. Eine der schönsten Lodges/Campsites, die wir bisher angesteuert haben. Wir dürfen den Pool des Hauses benutzen, und Abends fahren wir dann durch das wilde Gelände zum Campingplatz – umgeben von Bäumen, Sträuchern, Felsen und Bergen. So wildromantisch und ursprünglich, wir freuen uns wie die kleinen Kinder. Uns gefällt alles zusammen so gut, dass wir unsere Namibia-Route noch einmal durchrechnen und zum Ergebnis kommen, dass wir es uns zeitlich erlauben können, sogar noch einen weiteren Tag zu bleiben. Fantastisch! Als wir die Speisekarte des Abendmenüs sehen können wir einfach nicht widerstehen. Einmal superleckeres Thai-Chicken-Curry und einmal Oryx-Antilopen-Spaghetti – wirklich aussergewöhnlich! Wobei das Antilopenfleisch sehr gewöhnungsbedürftig schmeckt und es vermutlich nicht mehr unsere erste Wahl wäre. Aber trotzdem geniessen wir den wundervollen Abend bei einer unglaublichen Aussicht und einem der kitschigsten Sonnenuntergänge, die wir je erlebt haben. Wow, Namibia! Von Tag zu Tag beeindruckt mich das Land, die Umgebung und die Farben, die die Natur hier hervorbringt, mehr. Das zählt mit zu den allerschönsten Eindrücken auf unserer bisherigen Reise.
Der nächste Punkt, den wir erreichen wollen, zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Namibias: die weltberühmten roten Sanddünen in Sesriem. Doch der Weg ist das Ziel, und wieder einmal fahren wir nicht auf dem direktesten Weg dorthin, sondern nehmen einen kleinen Umweg.
Die D707 - die schönste Strasse Namibias?
Früh morgens geht es los. Die D707, die irgendwo von der C13 abzweigt und irgendwann in die C27 mündet, gilt als eine der schönsten Strassen Namibias. Kurze Erklärung zu den Strassenbezeichnungen in Namibia: je «höher» der Buchstabe, umso kleiner ist die Strasse. A und B-Strassen sind demnach relativ gut ausgebaute Strassen (wobei das nicht heisst, dass es Teerstrassen sind!). C-Strassen sind noch kleiner/schmaler, und die D-Strassen sind eigentlich das Kleinste, was man offiziell in Namibia findet. Wobei es nicht heissen muss, dass die zwangsläufig in schlechtem Zustand sind – aber es kann natürlich passieren. Gut – zurück zur Frage, ob die D707 die schönste Strasse Namibias ist. Fangen wir mal von vorne an: Wie so oft merke ich Magdalena die Zweifel an. Sie gilt ja grundsätzlich als die Ängstlichere von uns beiden. Während ich unglaublich gespannt darauf bin, sitzt meine Frau mit verschwitzen Händen und angespanntem Blick neben mir. Wir haben wilde Geschichten darüber gehört, von wegen Schlaglöchern, Tiefsand, schwierigen Offroad-Passagen, knietiefen Wasserpfützen und Flüsse, die man überqueren muss. Gleich vorweg: (fast) gar nichts davon hat bei uns zugetroffen. Natürlich gibt es hin und wieder einige Schlaglöcher, aber von Wasser war weit und breit keine Spur. Und die Strasse ist wirklich schön – beziehungsweise ist es wieder einmal die Landschaft um alles herum, was so unglaublich beeindruckend ist. Wir geniessen die Fahrt durch die einsame Leere Namibias, bleiben immer wieder stehen und lassen diese ungewöhnliche Natur auf uns wirken. Wir sehen auf den weiten Feldern Schakale, Oryxe und Zebras.
Nach einer Weile auf der D707 sehen wir etwa 80 Meter vor unserem Auto etwas über die Strasse kriechen. Als wir näherkommen ist es klar: eine Schlange! Wow, das hatten wir ja noch gar nicht. Wir versuchen, ein paar Bilder vom Auto aus zu schiessen. Das ist meiner Frau aber zu weit weg. Sie macht die Türe auf und folgt der Schlange, die mittlerweile auf der anderen Strassenseite angekommen ist. Ich bin ganz neidisch und würde auch gerne aussteigen, aber ich bleibe vorerst im Auto. Sie macht ein paar Bilder von dem etwa 1,70 Meter langen Reptil und kommt dann ganz aufgeregt mit den Worten «Schau mal was die macht…!!» zurück ins Auto. Ich fahre ein Stück nach vorne und sehe sie, wie sie aufgebäumt wie eine Kobra am Strassenrand steht/sitzt/liegt (was macht eine Schlange eigentlich??). Der Kopf ist direkt auf unser Auto gerichtet und der Hals aufgeblasen wie der von einer Giftnatter und sie lässt uns keine Sekunde aus den Augen. Hahaa, so ein Angebervieh!
Es kommt ja in der Natur recht häufig vor: Tiere, die nicht giftig oder gefährlich sind, bäumen sich auf oder ahmen andere Tiere nach, um dadurch Grösse und Gefährlichkeit auszustrahlen. Na ja, netter Versuch Freundchen! Aber cool siehts auf jeden Fall aus, was die da macht. Ich habe längst die Scheibe runtergelassen und mach noch einige Bilder und Videos vom Auto aus. Sie ist keine 2 Meter weg von uns, posiert in ihrer drohenden Pseudo-Pose schön für unsere Kamera und kriecht dabei vorsichtig neben uns her. Dann wollen wir das arme, ungefährliche Tierchen seines Weges ziehen lassen und sie nicht weiter belästigen – nicht, dass sie wegen uns noch einen Herzinfarkt bekommt. Wir bedanken uns kurz bei ihr und fahren weiter.
Wir würden aber gerne wissen, um welche Schlangenart es sich gehandelt hat. Als wir die Bilder einige Tage später einem Schlangenspezialisten aus unserem Freundeskreis zeigen wird der fast hysterisch und sagt sofort: «Weg! Abstand! Giftig!!» Okay, klingt bedrohlich – aber was bedeutet das? Wir bekommen erklärt, dass es sich um eine Kap-Kobra handelt. Und na ja – als wir ein bisschen nachrecherchieren finden wir heraus, dass es sich um eine der giftigsten Schlagen Afrikas handelt. Genauer gesagt ist sie die Nummer 2 – nach der schwarzen Mamba. Weiters finden wir heraus, was wir eigentlich gar nicht so genau wissen wollten - frei nach Wikipedia: Das Gift der Kapkobra ist eines der wirksamsten überhaupt. Die Gefährlichkeit beruht auf dem hohen Anteil von Alpha-Toxinen, die irreversibel Synapsen blockieren. Es hat neurotoxischen Charakter und führt bei Beutetieren binnen weniger Sekunden zum Tode. Auch für den Menschen ist dieses Gift extrem gefährlich. Das Gift führt unbehandelt etwa in 50 % der Bissfälle zum Tode. Erste Symptome nach einem Biss sind Sprachstörungen, Schluckbeschwerden und hängende Augenlider. Neben Herzkreislaufstörungen treten fortschreitende Lähmungen auf, die auch die Atmungsmuskulatur betreffen und dadurch zum qualvollen Tod durch Erstickung führen. Ach du Scheisse…
Alpha-Toxine. Irreversible Synapsen. Neurotoxisch. Sprachstörung. Schluckbeschwerden. Herzkreislaufstörung. Lähmung. Tod. Okay, mehr brauchten wir erstmal nicht zu wissen. Im Nachhinein betrachtet läuft mir immer noch ein kalter Schauer über den Rücken und bereitete mir einige schlaflose Nächte. Wie leichtsinnig wir waren, wird uns erst im Nachhinein bewusst. Meine Frau stand praktisch direkt vor ihr. Wir waren weitab von jeglicher Zivilisation, mehr als 110 km von der letzten grösseren Siedlung «Aus» entfernt. Ohne Handyempfang. Ich will mir nicht ausmalen was passiert wäre, wenn sie einen von uns beiden gebissen hätte – Eineinhalb Stunden vom nächsten Ort entfernt, wobei wir nicht mal wissen, ob die dort einen Arzt gehabt hätten.
Nach wie vor finde ich Schlagen sehr interessante Tiere, und ich bin froh, dass uns die Kap-Kobra wohlgesonnen war. Aber das hätte heftig ins Auge gehen können. Doch das alles finden wir erst viele Tage später heraus. Alle unsere Schutzengel waren wohl bei uns und haben ihr Bestes gegeben. Vielen Dank an alle euch da oben und unten, oder wo auch immer ihr euch aufhält – wir werden euch das nie vergessen!
Die D707 – Unser Fazit
Zurück zur D707 und unser Fazit: ist sie also die schönste Strasse Namibias? Jein. Wir fanden es sehr eindrucksvoll, sie gefahren zu haben und ich bin immer noch angetan von der imposanten Schönheit. ABER wir haben vermutlich genauso schöne Landschaften und Strassen im Süden, um den Fish River Canyon und entlang des Oranje Rivers, erlebt. Es ist wie so oft im Leben Geschmacksache. Wir fanden sie schön und absolut sehens- und fahrenswert. Wer also dort vorbeikommt, sollte die D707 unbedingt fahren und den kleinen Umweg in Kauf nehmen – vor allem, wenn man davor nicht die Strecke um den Fish River Canyon gefahren ist! Gefährlich ist die D707 auf jeden Fall nicht – im Gegenteil. Nichts von den Legenden und Gerüchten hat gestimmt – mit einem gewöhnlichen Geländewagen kann die D707 bequem und gefahrlos durchquert werden. Lediglich an einigen Stellen muss man mit etwas tieferem Sand rechnen, da ist ein 4x4 sicherlich von Vorteil. Unser Tipp: steigt keinesfalls aus dem Auto, wenn ihr eine Schlange seht – das kann tödlich enden.
Liebe Grüsse
Reiseroute
30. – 31. Jan. 2023Lüderitz
NA31. Jan - 01. Feb. 2023Kolmannskuppe, Klein-Aus
NA
Neueste Berichte
Die aktuellsten Beiträge aus der Kategorie "Erfahrungsberichte"Namibia Teil 4