
Quintana Roo – im Angesicht der Mayas
19. Dezember 2021
Waschbärenblues – In Holbox sind die Barber los
28. Dezember 2021Ausflugsfieber: Maya-Ruinen, Wasserlöcher und Süsswasserperlen

Wahre Freundschaft ist wie eine Seele, in zwei geteilt, um in zwei Körpern zu wohnen.
22. Dezember 2021 - Reisetagebuch Eintrag #71
- MAYA-RUINEN, WASSERLÖCHER UND SÜSSWASSERPERLEN | geschrieben von Rene
Mit dem Mietwagen geht es nach Coba – einer weiteren Maya-Zeremonialstätte. Wir sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und sehnen uns nach etwas Ruhe, die wir in Bacalar finden sollen. Doch zuerst wollen wir wissen, was eine Cenote ist.
Coba
Da uns das Ausflugsfieber gepackt hat, sind wir auch am nächsten Tag wieder unterwegs. Dieses Mal aber mit eigenem fahrbarem Untersatz. Paolo, die gute Seele der Unterkunft, hat uns ein Leihwagen organisiert. Das für mexikanische Verhältnisse in einem hervorragenden Zustand befindliche Fahrzeug bringt uns nach Coba, welches etwa 1,5 Autostunden von Playa del Carmen entfernt ist. Langweiligerweise müssen wir die gleiche Strecke nochmals fahren, wie bereits am Vortag. Generell haben die Strassenabschnitte hier an der Ostküste von Yucatan nicht wirklich viel Abwechslung zu bieten. Es ist einfach immer Wald. Wald, Bäume, Sträucher. Mal eine Hütte, mal ein Hotel, dann wieder Bäume und Sträucher. Die Strassen schnurgerade. Baustellen sind die einzige (willkommene) Abwechslung, sonst würde man vermutlich irgendwann hypnotisiert einschlafen. Es ist so spannend wie das Testbild im Nachtfernsehen.In Coba selbst geht es weitaus weniger touristisch zu. Es sind wesentlich weniger Besucher als in Tulum. Das angrenzende Dorf direkt an den Ruinen von Coba trägt übrigens denselben Namen. Die Zeremonialstätte wurde während der klassischen Mayaperiode irgendwann zwischen 600 und 900 n. Chr. erbaut. In der Blütezeit war Coba wohl eine der grössten Städte Yucatans, doch bei der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert aus unbekannten Gründen bereits verlassen. Bei der etwa 70 km² grossen Siedlung handelt es sich um ein dicht bebautes Zentrum und eine Besiedlungs-Streuzone mit stark abnehmender Gebäudedichte zu den Rändern hin. Was relativ gross klingt, ist aber in Wahrheit fussläufig recht einfach und gut zu erkunden. Zwar bieten findige Geschäftsleute bereits am Eingang Fahrräder zum Verleih an, mit denen das Gelände erkundet werden kann. Wer aber einigermassen gut zu Fuss ist, kann alles auch ohne Pedale bewerkstelligen und ist in gut 2 – 2,5 h durch alle Besiedlungszentren durch. Es ist zwar weitläufiger als Tulum, aber ehrlicherweise muss man auch gestehen, dass es bei weitem nicht so spektakulär wirkt. Das Gebiet ist ganzflächig mit Wald durchzogen, und punktuell (bzw. genaugenommen an 5 Hauptpunkten) sammeln sich die Ruinen, Ritualstätten und Überbleibsel der Wohnhäuser. Die eindrucksvollste Pyramide, genannt «El Castillo» (was sicher nicht dem ursprünglich echten Namen entspricht), ist mit 120 Treppenstufen etwa 42 m hoch. Auf der Spitze der Pyramide befinden sich ein kleiner Ritualraum und ein steinerner Altar, der von den Mayapriestern vermutlich für Blutopfer für die Götter verwendet wurde. Die restlichen Ruinen verteilen sich auf die anderen 4 Zonen, wobei bei einigen nur noch ein paar Steinhaufen übriggeblieben sind.
Die Ruine ist zwar ganz nett anzuschauen, aber vielleicht haben wir auf unserer Reise auch schon zu viel Geschichte gesehen und erlebt. Möglicherweise ist es auch der fehlenden Kenntnis über diese fremde Kultur geschuldet, dass wir es nicht ganz so emotional aufnehmen, wie beispielsweise die Bauwerke der Römer oder Templer in Europa. Diese Geschichte ist einfach näher bei uns, sie ist ein Teil unserer Kultur und wir kennen die Hintergründe. Die Mayas hingegen liegen uns eher noch etwas im Verborgenen, wir sind nicht mit dem Kult, den Symbolen, den Brauchtümern aufgewachsen. Wir erinnern uns vielleicht noch streiflichtartig an den Geschichtsunterricht zu diesem Thema, und haben möglicherweise auch die ein oder andere Doku darüber gesehen. Das wars – bei uns zumindest. Doch ich stelle fest: nicht nur fernsehen bildet, auch das Bloggen. So lerne ich jetzt auch ein wenig die Hintergründe dieser Hochkultur kennen, die durchaus sehr interessant und erlesenswert ist.
Cenotes sind in Mexico und speziell auf Yucatan eine grosse Touristenattraktion. Meist kann man für rund 25 – 300 Pesos Eintritt (ca. 1,00 EUR – 12,50 EUR) eine solche Höhle besuchen und in dem glasklaren Wasser schwimmen, schnorcheln oder tauchen. Wir machen uns nach den Ruinen von Coba also auf, und unsere Wahl fällt auf die «Gran Cenote», die ohnehin auf dem Rückweg nach Playa del Carmen liegt. Am Horizont ziehen gleichzeitig tiefschwarze Wolken auf. Ein Regenguss zu dieser Jahreszeit ist keine Seltenheit, meistens beschränkt es sich aber auf ein paar Minuten heftigen, warmen Platzregen, danach ist der Zauber meistens auch vorbei. Daher stört es uns auch nicht sonderlich, als wir während der Fahrt wirklich einen ordentlichen Guss abbekommen. In der Cenote werden wir ohnehin nass, daher stört uns das trübe Wetter nicht. Als wir ankommen, ist zu unserer Freude die Anzahl der Fahrzeuge auf dem Besucherparkplatz verschwindend gering. Es stellt sich auch gleich heraus, warum. Es ist etwa halb 4 Uhr nachmittags, und die Cenote schliesst schon in einer Stunde. Ausserdem hat sich der für 2020 noch gültige Preis von 200 Pesos mal eben auf 300 Pesos erhöht. Sicherlich wieder Coronabedingt – der Top-Grund Nr. 1 für alles, was 2021 komisch ist und mangels einer logischen Erklärung nicht anders argumentiert werden kann. Lange Rede, kurzer Sinn: für 12,50 EUR pro Person wollen wir uns wirklich nicht stressen lassen. Kurzerhand entscheiden wir uns also, die Cenote ein Wasserloch sein zu lassen und fahren weiter.
Schuld sind wir natürlich selbst, da wir uns mit der Zeit ein wenig verkalkuliert haben. Wir haben aber ehrlicherweise auch nicht damit gerechnet, dass um 16:30 Uhr bereits Schicht im Schacht ist (Achtung: Flachwitzalarm). Auf dem Heimweg regen sich unsere Bäuchlein ein wenig über den ausbleibenden Nachschub auf, und so steuern wir kurzerhand das einzige Dorf, das zwischen Tulum und Playa del Carmen liegt, an: Akumal. Dort werden wir dann auch fündig und speisen lecker in einer der sehr ursprünglichen gehaltenen privaten Küchen. Auch wenn es sich mit der Cenote nicht ausgegangen ist, hatten wir doch einen sehr spannenden Tag. Und da wir nun schon mal einen eigenen fahrbaren Untersatz haben, begeben wir uns anschliessend zum nahegelegenen Walmart und müssen unsere Einkäufe zum ersten Mal nicht selbst nach Hause schleppen. Zum krönenden Abschluss gönnen wir uns dann auch endlich – nachdem wir es auch in Spanien mehrere Male verabsäumt haben – einen leckeren Churro. Das frittierte Teiggebäck mit Schokoladefüllung (wortwörtlich: Nutella con (mit) Chocolate), dessen Kalorienanzahl sich vermutlich im 5stelligen Bereich bewegt, darf auf einem Mexicotrip einfach nicht fehlen. Was eigentlich eine Nachspeise ist, sollte berechtigterweise nicht als Vorspeise gegessen werden, denn danach ist man so satt als hätte man gerade ein ganzes Spanferkel verdrückt (die Veganer unter euch mögen mir diesen Vergleich verzeihen!). Wir machen es natürlich genau falsch herum, und mit vollen Bäuchen – aber in dem Wissen, dass wenn sich der Zucker abgebaut hat, sich unsere Mägen in alles verschlingende Bestien verwandeln – machen wir uns auf zum Abendessen mit echter Nahrung.
Nachdem wir gut eine Woche in Playa del Carmen verbracht haben, machen wir uns auf den Weg nach Bacalar. Dieses kleine, verschlafene Dorf etwas im Landesinneren gilt nach wie vor als Geheimtip unter den Mexico-Reisenden. An einer grossen Süsswasserbucht gelegen soll man hier die Seele baumeln lassen können. Und – was noch schöner klingt – hier hat der Pauschaltourismus noch nicht Einzug gehalten.
Bacalar
Auch nach Bacalar fahren wir wieder mit einem der bereits erwähnten «Combis», die absolut günstigste Variante um hier vorwärts zu kommen. Natürlich wird diese Art der Fortbewegung zumeist von den Einheimischen genutzt. Wer aber nicht allzu viel Wert auf Komfort und Luxus legt, kann mit dieser Reiseart doch einige Pesos sparen. In Bacalar selbst fühlen wir uns auf Anhieb wohl. Nicht, dass es uns davor nicht gefallen hat, aber Bacalar ist mehr ein Dorf, und es geht viel ländlicher, ruhiger und gemächlicher zu. Natürlich sind auch hier die Touristen zu finden, aber weitaus weniger als weiter nördlich. Der umtriebige Dorfkern besticht mit einigen mexikanischen Restaurants, ein paar Bars und Geschäften. Das genialste an Bacalar hingegen ist tatsächlich die Süsswasserlagune. Die Wassertiefe beträgt meist nur 1 Meter oder weniger, der Boden ist steinig bis sandig und wenn die Sonne auf die Wasseroberfläche scheint, hat man den so typischen azurblauen bis türkisen Farbton, der förmlich nach einem Postkartenmotiv schreit.Unsere einfache und ursprüngliche Unterkunft lässt uns endgültig ankommen und wir geniessen hier das Leben unter der mexikanischen Sonne. Das Wasser hat wieder einmal Badewannentemperatur, in dem man ohne Weiteres Stunden verbringen könnte – wäre da nicht der Schrumpelalarm, der die Finger irgendwann aussehen lässt wie Mick Jaggers Hinten in der Vakuumkammer. Es ist einfach herrlich, ein Ort der zum Bleiben einlädt.
Die Umgebung der Lagune lässt sich am besten per Boot erkunden. Natürlich gibt es auch in Bacalar genügend Ausflugsangebote, die vom Stand-Up-Paddle über Kajakfahrten bis zur privaten Bootstour reichen. Wir entscheiden uns für eine Bootstour, wo wir auch als ortsunkundige an die richtigen Stellen gebracht werden. Unser Skipper kommt eine viertel Stunde zu spät zum vereinbarten Treffpunkt. Etwas später erzählt er uns, dass er am Vortag auf einer Party wohl etwas abgesoffen ist. In dem Fall also nicht ganz schwimmfest, der Kapitän. Auf dem kleinen Boot sind wir ausschliesslich mit Segel unterwegs, ganz alleine mit Windkraft und ohne Motor. Sehr ökologisch und nachhaltig – wir sind stolz auf uns. Die Windstärke an diesem Tag ist zwar etwas mau, aber immerhin kommen wir problemlos zum ersten Ausflugsziel, der Isla de los Pajaros – die Insel der Vögel. Wie man sich vielleicht denken kann, nisten auf dem kleinen Eiland im Sommer Vögel. Auch wenn man es bei Temperaturen um die 30 Grad, die es gerade hat, nicht für möglich halten würde, ist dennoch «Winter» in Mexico. Deshalb treffen wir zwar keine Vögel, aber die Kulisse ist dennoch paradiesisch. Vorbei an den lebenden Steinen, die sich durch fortwährende Bildung von Algen und mit der Hilfe von Bakterien irgendwann tatsächlich in Steine verwandeln (keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Angaben, doch so habe ich es zumindest verstanden) fahren wir dann doch noch zu einer Cenote – nämlich die Cenote Cocalitos. Es wirkt ziemlich unspektakulär, weil eigentlich nur das Wasser dunkler ist als an den anderen Stellen. Zudem ist das Wasserloch im Wasser ohnehin abgesperrt. Dafür ist der Strand umso karibischer und wir lichten uns einfach mal alle selbst mit unseren Handys so oft wie möglich ab, um damit anschliessend unsere Freunde, die sich zuhause gerade einen abfrieren, belästigen zu können.
Die Zeit der Bootstour ist auch schon wieder rum und es geht auf den Heimweg. Der ohnehin schon schwache Wind verwandelt sich langsam aber sicher in ein laues Lüftchen, und die Segel unseres Bootes haben schlussendlich nur noch dekorativen Charakter. Nachdem unser Kapitän einsieht, dass gar nichts mehr geht, springt er kurzerhand selbst in Wasser und zieht uns mit reiner Manneskraft durch die Lagune. Nun fühlen wir uns wirklich wie die Könige auf Erden. Der arme Mann muss sich seine Pesos ziemlich hart verdienen, aber so ist das Leben eben. Wenigstens kann er im seichten Wasser laufen, und muss nicht schwimmen.
Wir gehen in der Hitze fast drauf und mit der geschätzten Geschwindigkeit von einem halben Kilometer pro Stunde dauert es dann doch noch eine Weile, bis wir wieder an unserem Ausgangshafen angekommen sind. Die versprochenen Früchte gibt es leider etwas verspätet, da er wohl das Messer vergessen hat, Dafür dürfen wir jetzt – nachträglich – Melone und Ananas geniessen.
Als Sahnehäubchen bekommen wir nun noch eine Stunde Kajakfahren geschenkt. So dürfen wir auch selbst mal paddeln und stellen ziemlich schnell fest: von einem Kapitän gezogen zu werden ist wesentlich weniger anstrengend. Doch auf dem Wasser erleben wir dann einen superkitschigen Sonnenuntergang – den wir dann am späteren Abend in einem nahegelegenen Hotel mit einem phantastischen Blick über die Lagune ausklingen lassen.
Ja, Bacalar hat uns wirklich überzeugt. Das kleine, überschaubare Dorf mit doch ein wenig Leben, die zauberhafte Lagune und der Frieden hier ist das, was es ausmacht. Es trifft voll unseren Geschmack und eigentlich wollen wir gar nicht mehr weg. Eigentlich – aber unser nächstes Ziel steht schon fest. Nachdem wir jetzt schon fast an der Landesgrenze zu Belize sind, geht es für uns nun wieder in den Norden. Genaugenommen nach Holbox (sprich «Olbosch»). Wir haben von so vielen Reisenden den Tip bekommen – daher müssen wir dort unbedingt hin, bevor der grosse Weihnachtstourismus los geht. Es ist ja immerhin schon der 9. Dezember.
Holbox, MX, im Dezember 2021
Liebe Grüsse
Liebe Grüsse
Rene
Reiseroute
01. Dez. 2021Coba
MX02. - 09. Dez. 2021Bacalar
MX
Erfahrungsberichte