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- Touristendschungel und Fliegerstaffeln | geschrieben von Rene
Alicante
Alicante ist nicht nur ein Urlaubs-Badeort, es bietet neben einer schönen und beschaulichen Altstadt auch den Anblick einer erhabenen Festung, die über der gut 340.000 Einwohnerstadt thront. Ja, Alicante ist doch überraschend gross und ist nach Valencia die wichtigste Stadt in der autonomen Gemeinschaft Valencias. Die Burg Santa Bárbara befindet sich auf einem Hügel hoch über der Stadt. Der Turm an ihrer Spitze ist der älteste Teil der Burg, während Teile ihres Unterbaus und ihre Grundmauern erst später im 18. Jahrhundert konstruiert wurden. Von unserem Standort Sant Joan nach Alicante ins Zentrum sind es gut 13 Kilometer. Ein echter (erster) Belastungstest für unsere neuerworbenen Bikes. Also bessergesagt ist es ein Belastungstest für uns. Als «Nicht-Biker» das erste Mal eine Strecke über 10 km (einfach) zurückzulegen, da waren wir schon etwas skeptisch. Wir haben ausgerechnet, dass wir in Valencia auch gute 12 bis 14 km zurückgelegt haben, aber in Alicante müssen wir diese Strecke natürlich auch wieder zurück. Doch es läuft wie geschmiert. Wir finden zunächst einen schönen Weg am Strand entlang, bis wir dann über eine ganz kleine Anhöhe auf der Hauptstrasse Richtung Alicante radeln. Es geht stetig bergab – wunderbar, man braucht es nur rollen zu lassen, und schon sind wir fast da. Blöd nur, dass wir beim Rückweg das Gegenteil machen müssen.Ich habe von der Stadt zwar nicht viel mehr erwartet als Hotels, billige Bars und leichtbekleidete Engländer mit Sonnenbrand, aber da habe ich mich doch sehr getäuscht. Der Stadtkern ist sehenswert, und besonders das Viertel Santa Cruz (Barrio de la Santa Cruz) ist ein farbenfroher Teil der Altstadt. Die kleinen Häuser mit den engen Gassen sind entlang des Hügels gebaut und mit Flaggen und Blumentöpfen dekoriert – wunderschön und tolle Fotomotive. Von hier aus geht es auch hoch in die Festung, die unser nächstes Ziel ist. Wir verbringen einen spannenden Tag in Alicante, den wir zum Abschluss an einer gemütlichen Strandbar mit tollem Blick auf das Meer ausklingen lassen. Doch der Rückweg steht uns noch bevor, und wie befürchtet geht es nun so gut wie die ganze Zeit bergauf. Aber nach einer kurzen, anstrengenden Phase und einem mehr oder minder ungewollten Ausflug auf die Bahngleise, die wir dann mit einer gekonnten Akrobatikeinlage limbo-mässig unter einem Maschendrahtzaun so schnell wie möglich wieder verlassen haben, erreichen wir schlussendlich wohlbehalten wieder unseren Stellplatz.
Den folgenden Tag wollen wir mit süssem Nichtstun verbringen. Doch am Vorabend haben wir noch eine spontane Idee. Eine dieser Ideen, die am Vortag immer super klingen und am nächsten Tag dann doof. Also – früher, in den Jugendjahren, da war es immer eine Challenge, im Urlaub so lange auszugehen, bis man den Sonnenaufgang sieht. Und natürlich musste man dann ein Foto vom Sonnenaufgang als Beweis machen. Ab ungefähr 30 kehrt sich das Bild dann ein bisschen und man fotografiert eher Sonnenuntergänge, weil die leichter zu erreichen sind und man ohnehin nicht mehr die ganze Nacht durchfeiern kann. Jenseits der 60 sorgt die senile Bettflucht dann dafür, dass man nicht mehr schlafen kann und man alle Sonnenaufgänge mehr oder minder freiwillig betrachten kann – ob man will oder nicht. Wir sind altersmässig dazwischen drin – den Sonnenuntergang schaffen wir noch recht leicht, für den Aufgang aber brauchen wir einen Wecker. Und zwar um genau 05:40 Uhr. Morgens! Also gut – gesagt, bereut, getan: wir stehen zu dieser unchristlichen Zeit auf, schwingen uns im Halbschlaf auf unsere Fahrräder und fahren die 10 Minuten zum Strand und starren in den Horizont. Ja was soll man sagen: es ist wirklich schön, aber früher, so nach dem Feiern, da hatte das irgendwie noch etwas mehr Charme. Wir fahren wieder zurück und legen uns noch eine Stunde hin. Schlafen können wir jetzt nicht mehr. Auch das ist ein Unterschied zu früher, da haben wir durchgepennt bis mindestens Mittag. Aber gut – den restlichen Tag lassen wir uns dann am Strand in unseren Fatboys die Sonne auf den Bauch scheinen und geniessen wieder mal das Leben uns unsere phantastische Reise.
San Javier
Wir wollen gerne wieder etwas weg von den grossen Städten. Wir haben von einem Stellplatz gehört, der direkt neben der Landebahn eines Militärflughafens liegen soll. Gut – was für andere jetzt vielleicht abschreckend wirkt, wirkt bei uns extrem anziehend. Also auf zum Camping Mar Menor in San Juan – nun schon in der autonomen Provinz Murcia.Die Anfahrt ist nicht so einfach, wie man es für einen grösseren Stellplatz erwarten würde, aber wir kommen glücklicherweise an der einspurigen Strasse ohne Gegenverkehr ans Ziel. Start- und Landebahn ist tatsächlich nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt direkt vor dem Eingang aus zu sehen. Sehnsüchtig warten wir anschliessend auf die ersten Flieger und werden bald belohnt. Die spanische Fliegerstaffel trainiert hier ihre Formationsflüge sowohl mit Propellermaschinen als auch mit Jets. Immer wieder krachen die 2er oder 3er-Geschwader über uns hinweg. Wunderbar, genauso haben wir uns das vorgestellt. Unser Campingnachbar Jonny war viele Jahre Pilot bei der belgischen Luftwaffe und versorgt uns mit spannenden Infos rund um die Aeronautik. Und eine 4motorige Hercules erkennt er nur am Klang der Triebwerke. Ja, wir durften einiges erleben. Leider war am Wochenende kein Flugbetrieb, aber so konnten wir auch wieder mal ein wenig unserer administrativen Dinge aufarbeiten. Am Sonntag war Dauerregen angesagt. Und die Vorhersage hat (leider) nicht zu viel versprochen: von früh bis spät schüttet es wie aus Eimern. Zeitweise denken wir, die kleinen Flüsse die sich zwischen den Parzellen bilden spülen uns bald mal weg. Wir haben schon lange keinen so starken Dauerregen mehr erlebt. Was auch immer mich geritten hat weiss ich nicht, aber ich erkläre mich damit einverstanden, den Abwasch zu machen und mache mich bereit, die 50 Meter mit dem Geschirr zum Abwaschgebäude zu laufen. Darauf zu warten, dass der Regen weniger wird, macht tatsächlich keinen Sinn – es regnet konstant und durchgehend stark. Ich habe keine Chance und bin schlussendlich klatschnass, als ich das Gebäude erreiche. Auf dem Rückweg das selbe Spiel, und das abgetrocknete Geschirr ist wieder so nass wie davor. Da ich nun ohnehin schon komplett durchnässt bin, geh ich anschliessend sinnloserweise Duschen.
Am nächsten Morgen ist es so, als wäre nie etwas gewesen. Der Himmel ist strahlend blau wie aus einem kitschigen Malbuch. Heute steht unsere Abreise bevor. Nach dem Auschecken hören wir wieder die ersten Motorengeräusche – es ist ja Montag. Wir bleiben noch ein bisschen am Zaun stehen, sehen noch den einen oder anderen Start und machen uns dann auf. Weit kommen wir aber nicht. Gut einem Kilometer nach der Ausfahrt, die direkt um den Flughafen und die Startbahn führt, kommen wir nicht mehr weiter. Wir sehen schon von weitem das Wohnmobil eines unserer Nachbarn vom Stellplatz, die gut 2 Stunden vor uns weggefahren sind. Zunächst denken wir, sie wollen auch noch ein paar Starts und Landungen ansehen, aber der echte Grund war, dass ein Auto mehr oder minder quer mitten auf der einspurigen Strasse steht. Wir reihen uns hinter dem anderen Wohnmobil ein, steigen aus und erfahren dann auch gleich den Grund der Misere: Ein junges Paar steht scheinbar seit 4 Uhr morgens in einer fast knietiefen, riesigen Pfütze (oder bessergesagt See), das Auto ist abgestorben und bewegt sich nun wohl keinen Millimeter mehr. Starten ist nicht möglich, und der Neutralgang des Automatikgetriebes lässt sich nicht einlegen. Scheinbar war nachts bereits ein Pannenhelfer mit dem Abschleppwagen da, aber der hat sich geweigert, das Fahrzeug aus dem Wasser zu ziehen und ist wieder davongefahren. Nun wartet das Paar auf den zweiten Abschlepper eines anderen Unternehmens und hoffen auf mehr Glück. Und es ist bereits kurz vor 2 Uhr nachmittags. Die stehen also jetzt geschlagene 10 Stunden da und warten auf Hilfe! Ja, auch das ist Spanien.
Der nun neu angerückte Abschlepper macht eine echt krasse Aktion. Nachdem auch er es nach einer guten halben Stunde nicht schafft, den Leergang der Automatik einzulegen, hat er eine wirklich kreative Idee. Da nur die Hinterräder des BMW blockieren und er das Fahrzeug nicht auf seine Plattform ziehen kann, macht er es einfach umgekehrt. Er senkt seine Rampe ab und fährt einfach rückwärts. Durch die blockierenden Hinterräder schiebt er so das Fahrzeug auf die Rampe rauf bis zu den Hinterrädern. Den Rest macht er dann mit dem Seil und muss das Auto so nur wenige Zentimeter mit blockierenden Rädern ziehen. Echt kreativ, ich bin wirklich beeindruckt. Somit ist die Strasse nun aber auch frei – wir konnten zwischenzeitlich noch ein paar extracoole Jets beim Durchstarten zusehen und der Tag hat sich trotz 2stündiger Zwangspause richtig gelohnt.
Nun geht es weiter nach La Manga, wo wir einen schönen Platz direkt am Meer finden. Viel gibt es aus La Manga nicht zu berichten, da die etwa 20 km lang Landzunge zu dieser Jahreszeit und dank Corona so gut wie ausgestorben ist. Umso schöner für uns und so können wir die Ruhe hier am Meer geniessen. Und am nächsten Morgen bekommen wir dafür einen wunderbaren Sonnenaufgang direkt in unser «Schlafzimmer» serviert – ganz mühelos und ohne Anstrengung.
Malaga, im Juni 2021
Liebe Grüsse
Liebe Grüsse
Rene
Reiseroute
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